Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10

Die runden Ecken waren schuld!

Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10 Aus die Maus

Es sind die Geisterfahrer jeder Filmproduktion: Billige Ausreden, die einem mit der Selbstverständlichkeit eines mehrachsigen Trucks in einem amerikanischen Actionfilm auf der Gegenspur im dümmsten Moment entgegenkommen.

Dumm geboren und nichts dazugelernt? Wenn dem so ist und man nicht gerade als Jim Carrey in „Dumm und dümmer“ vor der Kamera steht, sollte man eher von einer Karriere im Filmgeschäft absehen. Dinge, die „einfach so“ passieren, gibt es in der Filmproduktion etwa gleich häufig wie weiße Mäuse in einer Schwarzwaldtorte. Während in großen Märkten wie den USA zu Recht von einer Filmindustrie gesprochen werden darf, ist das Filmhandwerk hierzulande oftmals vom System „learning by doing“ geprägt und durch Beziehungen getrieben. Mit diesem Umstand einher gehen leider immer wieder auchabenteuerlichen Erklärungen. Filmpuls präsentiert die Top 10 der billigsten und häufigsten Ausreden bei Film- und Videoprojekten:

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Das Budget hat für ein besseres Ergebnis nicht gereicht

Wenn das Budget für ein besseres Ergebnis nicht reicht, so meist darum, weil das Budget nicht für einen besseren Produzenten oder Produktionsleiter gereicht hat. Denn an diesem, nur an diesem, obliegt die Verantwortung für das Setzen der Parameter für ein Filmprojekt und Videoprojekt. Dazu gehört auch die Eskalation, wenn Vorstellung und Vorgaben von Kundenseite nicht mit den Zahlen zusammengehen.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Sowas konnte man halt nicht wissen

Das Internet ist ein Paradies. Nicht nur im Umgang mit Film und Video ist es ratsam, einige Tage Lebenszeit in die Erarbeitung von Recherche-Strategien zu investieren und die Tools, die Google & Co. bieten, richtig gut und mit der notwendigen Tiefe für eine umfassende Web-Recherche kennen zu lernen. Im Internet finden sich Antworten auf fast alles und nicht nur auf Dinge, die man gar nie wissen wollte. Seit das Internet erfunden ist, gibt es keine Ausreden mehr, etwas nicht zu wissen.

Ebenso wichtig wie der Wille und die Fähigkeit, sich die richtigen Fragen zu stellen und gekonnt zu Recherchieren und Entscheidungen zu fällen ist die Bereitschaft zu anerkennen, dass Wissen nur ein Teil der Medaille ist. Know-how ist für die wirkungsorientierte Filmproduktion unabdingbar. Wichtig ist aber auch der eigene Erfahrungsschatz und ohne Talent geht gar nichts. Fehlende Erfahrung und mangelndes Talent darf man niemanden vorwerfen, wohl aber, wenn der betreffende Zeitgenosse seine eigenen Fähigkeiten trotz postpubertärem Zustand nicht richtig einzuschätzen weiß.

Merke: man kann nicht alles wissen. Aber es schadet auch nicht. Und, wichtiger, zu wissen und zu kommunizieren, was man nicht weiß, ist Pflicht.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Bei gutem Wetter wären das schöne Bilder geworden

Der Zuschauer sieht, was er sieht. Ob es Katzen hagelte oder ob Kaiserwetter die Drehtage dominierte: Die Umstände dürfen dem Publikum gleichgültig sein. Entscheidend ist immer nur eine einzige Frage: unterstützen die Bilder das Storytelling und die Dramaturgie oder nicht? Alles andere ist Sache der Planung und des Managements des Wetter-Risikos und damit am Ende eine Frage der Professionalität.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Die Schauspieler waren schlecht

Weil Schauspieler keine Menschen sind, die plötzlich und unangemeldet auf einem Filmset auftauchen und wie ein fröhlicher Hund mal einfach nur spielen wollen, ist nicht der Schauspieler alleine verantwortlich für seine Leistung. Verantwortlich ist immer auch die Person, welche den Schauspieler ausgesucht hat, egal ob für die Suche Regisseur, Casting Director oder der Producer verantwortlich waren. Alles andere sind blöde Ausreden. Wer sich einen Hammer als Werkzeug aussucht, darf nicht erwarten, dass der Hammer als Schraubenschlüssel etwas taugt.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Der Auftraggeber wollte das unbedingt so haben

Wer zahlt befiehlt. Das gilt im Leben wie in der Filmwirtschaft. Umgekehrt gilt aber auch, dass der Auftraggeber sich in der Regel einen erfahrenen Produzenten aussucht, weil dieser im Gegensatz um Auftraggeber weiß wie Filme gemacht werden. Es ist dabei die Pflicht des Produzenten und Auftragnehmers, den Auftraggeber in dem Ausmaß zu führen, als es die angestrebte Wirkung des Filmwerkes oder Videos erfordert.

Wer alles ohne Nachdenken alles genau so umsetzt, wie das ein zur Detailverliebtheit neigender Kunde von ihm will, macht selten das, was der Kunde wirklich will. Der Job des Produzenten und Filmemachers bringt es mit sich, dass die Wünsche des Kunden in die Sprache des Mediums übersetzt werden müssen. Dazu braucht es die richtige Kommunikation und das perfekte Briefing.

Kommt hinzu, dass am Ende des Tages die wenigsten Kunden einen Produzenten wollen, der bei der Arbeit wie ein Fähnchen im Wind mal dies und mal das als richtig befürwortet. Kunden wollen und müssen durch den komplexen Produktionsprozess geführt werden. Produzenten und Produktionsfirmen haben diese Verantwortung wahrzunehmen. Alles andere sind Ausreden.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Das macht man eben so

Jeder Film und jedes Video ist ein Unikat und gewissermaßen ein Prototyp. Filme sind Projekte. Gleichzeitig ist die Kommunikation mit Film und Video eine Branche, in der die Spielregeln, technisch bedingt, aber auch durch neue Erzählformen in den sozialen Medien, immer wieder ändern. Informationen sind nicht nur wichtig, wichtige Informationen ändern auch immer wieder.

Filmemacher ist ein Beruf und kein Experimentierfeld für Selbstverwirklichung. Dem Patienten Auftragsfilm geht es aktuell nicht wirklich gut. Zurück in die Zukunft erfordert von den Machern hohe Professionalität. Ob Schule, Studium oder learning by doing: Die Regeln des Filmhandwerks sollte man darum einerseits zuerst einmal kennen. Und andererseits immer auch hinterfragen. Wer heute die Dinge so tut, wie sie gestern richtig waren, macht sie schon morgen ebenso falsch wie der instinktiv entscheidende Amateur ohne solide Wissensgrundlagen.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Ich hab mich auch gewundert

„Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht“. Das gilt ganz besonders für die Kreativwirtschaft. Wer einige Jahre in Mediengewässern gesegelt ist, weiß davon manch Lied zu singen. Im Projektgeschäft gilt aber auch: „Kommunikation ist nicht alles, aber ohne Kommunikation ist alles nichts.“ Wer sich über etwas wundert ohne diese Verwunderung zu thematisieren, macht sich selbst zum passiven Zuschauer und begeht die zweitgrößte Sünde nebst Unwissenheit: er verhindert, dass agiert werden kann und riskiert, dass nur noch reagiert werden kann. Die Reaktion ist immer kostspieliger und aufwändiger als eine Aktion und alle Ausreden. Spätestens dann, wenn der Zuschauer negativ auf den Film oder auf ein Video reagiert.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Das Publikum ist für diesen Film zu dumm

Es gibt verschiedene, auch noble, Gründe einen Film zu produzieren. Aber losgelöst davon, ob man sich selbst als Auftragsfilmer oder Autorenfilmer definiert, Filme und Videos macht man gemeinhin für den Zuschauer. Alles andere ist Unsinn. Wer seine Geschichte als Selbsttherapie unbedingt erzählen will, verfasst besser ein Buch oder eine Kurzgeschichte statt, wie es bei der Filmproduktion und Videoproduktion üblich ist, gleich das große Orchester auffahren zu lassen.

Carlo Ponti (*1912, † 2007 in Genf)

Carlo Ponti (*1912, † 2007 in Genf)

Von Carlo Ponti, italienischer Produzent (u.a. „La Strada“ und „Zabriskie Point“) und Ehemann von Sophia Loren, ist das Bonmot überliefert: „Wenn ein Film von mir ein Kassenschlager wird, ist er Kommerz. Wenn er keine Zuschauer hat, dann ist er Kunst.“ Wer wie Ponti seine Filme aus der eigenen Tasche mitfinanziert, darf so argumentieren. Alle anderen nicht.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Das wird komplett anders wirken, wenn Ton und Bild fertig bearbeitet sind

Hoffnung, Röhrenblick und Selbsttäuschung sind Drillinge, die es meisterhaft verstehen, sich bei der Postproduktion zu den besten Freunden von Regisseuren und Cuttern zu machen. Auch wenn dank digitaler Technik vieles was früher Unmöglich war heute möglich (sprich: zu „retten“) ist: ein schlechter Film oder ein schlechtes Video wird nicht besser, wenn die Bilder schärfer, bunter oder kontrastreicher und der Ton fertig gemischt ist. Man muss keine Ausbildung als Förster genossen haben um zu beurteilen, ob ein Baum schief in der Landschaft steht oder schön gewachsen ist.

Filmpuls Film Blog: Billige Ausreden bei Film- und Videoprojekten: die Top 10Das hätte mir jemand sagen müssen

Ja und Nein. Als Praktikant und in ungeordneter Funktion, beispielsweise als Produktionsassistenz, darf man bei der Filmproduktion auf Sachebene detaillierte Ansagen und Handlungsanweisungen erwarten. Trotzdem gilt auch für die unteren Chargen schon, was später unabdingbar wird: wer nicht schon mit der nächsthöheren Funktionsstufe mitdenkt und die richtigen Fragen stellt, wird diese nächsthöhere Funktionsstufe kaum je erreichen. Filmarbeit ist immer auch Vertrauenssache. Dazu gehört, darauf bauen zu können, dass man (in untergeordneter Funktion) immer auch Fragen stellen darf und (in leitender Position) dass das  gesamte Team nicht nur am selben Strick zieht, sondern auch aktiv mitdenkt. Nur so kann ein Film oder kann ein Video mehr als die Summe seiner Einzelteile werden.


Was sind ihre Favoriten an billigen Ausreden?

Ausreden bei Film- und Videoprojekten sind wie weiße Mäuse

Gibt es Ausreden, die unserer Liste fehlen? Was war die dümmste Ausrede, die Ihnen bei der Kommunikation mit Film und Video schon begegnet ist? Filmpuls Blog freut sich auf Ihre Ausrede, auf Inputs, Rückmeldungen und Feedback!


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen auf die männliche Form reduziert. | © Grafik-Layout: Freepik | © Artikel: Filmpuls

Über Kristian Widmer

Kristian Widmer ist Mitglied der Schweizer Filmakademie. Der promovierte Jurist und Inhaber eines MBA der Universität St. Gallen HSG war langjähriger CEO der 1947 gegründeten und mit einem Academy Award™ ausgezeichneten Condor Films AG.

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