Wenn Dich Hollywood anruft. Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte.

The Sky is the Limit: die außergewöhnliche Karriere zweier Freunde

Interview mit Dionys Frei und Davide Tiraboschi von Dedicam Noch Fragen? Michael Bay in Action beim Dreh von «Transformers - The Last Knight» | © Slash Film

Seit knapp 10 Jahren zählen Dionys Frei und Davide Tiraboschi mit ihrer Firma Dedicam zu der Speerspitze im internationalen Drohnen-Business. Ihre Karriere hat Bubenträume wahr gemacht. Im exklusiven Interview mit FILMPULS sprechen die beiden Schweizer Ausnahmetalente über ihre ungewöhnliche Karriere, Erfahrungen mit Hollywood und ihre Zusammenarbeit mit Top-Regisseur Michael Bay.

Neil Raouf, wie Davide im malerischen Meiringen im Berner Oberland aufgewachsen, konnte die beiden Drohnen-Profis zu einem lockeren Gespräch unter Kollegen treffen. Dabei entstanden ist ein Porträt in Form eines Interviews, das vom wilden Ritt zweier unerschrockener Schweizer durch die internationale Filmszene erzählt, aber auch von großer Leidenschaft und einer gehörigen Portion Humor zeugt.

Interview mit Dionys Frei und Davide Tiraboschi

Neil: Euer Einstieg in das internationale Filmbusiness hört sich an wie eine Story von einem Drehbuchautor. Hand aufs Herz: Wie begann das wirklich, mit euch zwei und Hollywood?

Dionys Frei: Wir waren für einen Auftragsfilm in Saudi-Arabien. In einer Nacht klingelte plötzlich das Telefon. Eine Dame aus dem Produktionsteam von Michael Bay war am Apparat. Sie fragte uns, ob wir Zeit hätten, sofort nach Malta zu fliegen um mit unserer Firma Dedicam für einen Hollywood-Film zu arbeiten.

Mann bist du blöd … Michael Bay ruft an und du sagst ab!
Dionys Frei

Michael Bay würde uns gerne am Set von «13 Hours» haben, erklärte sie weiter. Ich habe ihr gesagt, dass Dedicam aktuell an einem Auftrag in Saudi-Arabien arbeitet und wir besetzt sind. Aber in einer Woche seien wir wieder verfügbar. Ich dachte mir nachher: ‚Mann bist du blöd … Michael Bay ruft dich an und du sagst ab’ (beide lachen).

Davide Tiraboschi: Nun ja, der Auftrag in Saudi-Arabien war nach einer Woche tatsächlich im Kasten. Wir gingen zurück in die Schweiz. Nach zwei Tagen klingelte das Telefon erneut. Dieselbe Dame von Bays Produktionsteam rief uns erneut an. Sie wollte doch tatsächlich wissen, wie es denn jetzt nun terminlich aussähe. Die Frau kam aus Deutschland und arbeitete für die Babelsberg Studios. Durch einen ehemaligen Arbeitskollegen, welcher schon mit uns gedreht hat, erhielt sie unseren Kontakt.

Dionys Frei: Sie hat uns mal für zwei Tage gebucht. Lustig ist noch Folgendes: Als es um die Honorare und das ganze Finanzielle ging, versuchte sie, unseren Tarif herunterzuhandeln. Es sei ja schließlich auch Werbung für uns und Dedicam, so mit Michael Bay … blablabla.

Davide hat eiskalt ‚Nein‘ gesagt. ‚Andere Auftraggeber würden auch mehr bezahlen. Und die seinen nicht Hollywood!’ Nach kurzem Zögern hat sie dann ohne weitere Diskussionen eingewilligt (beide lachen).

Ihr Teufelskerle. Wie verliefen diese zwei Tage am Set in Malta?

Dionys Frei: Kaum waren diese zwei Tage um, wurden wir gefragt, ob wir nicht noch ein klein wenig länger bleiben möchten. Aus zwei Tagen wurden mehrere Wochen! Sie wollten uns sogar aus anstehenden anderen Aufträgen für Dedicam herauskaufen.

Wart ihr eigentlich nervös, vor dem ersten Shot?

Dionys Frei: Es wunderten sich einige Leute am Set, warum denn schon wieder ein neues Drohnenteam da war. Als wir die Gründe dafür erfuhren, da stieg der Druck natürlich schon ein wenig. Zudem war das Set schon rein von der Größe und dem ganzen Drumherum her enorm spektakulär und wahnsinnig beeindruckend: Überall brannte es, in jeder Szene explodierte etwas …

Davide Tiraboschi: Wir waren schon das dritte oder vierte Drohnen-Team. Die vorherigen Teams waren mit schöner Regelmäßigkeit am ersten Tag von Michael Bay höchstpersönlich gefeuert worden!

Dionys Frei: Warum haben wir natürlich auch erfahren: Instabile Kameras, welche ruckelige Aufnahmen lieferten. Ein anderes Team, welches die eigene Drohne in einen Baum geflogen hat und dazu nur Französisch gesprochen hat. Beides erschwerte die Zusammenarbeit offenbar etwas.

Hat sich Michael Bay darum geschert, wer ihr seid?

Dionys Frei: Zu Beginn schaut er dich schon ein bisschen komisch an. So nach dem Motto «Oh, das sind sie also, die neuen Drohnen-Clowns … mal schauen, wie lange die durchhalten …».

Doch dann hatten wir unseren ersten Flug. Anders als die übrigen Teams landeten wir die Drohne nicht am Boden, sondern auf unserem Tisch. Da gab es das erste Mal Szenenapplaus für uns.

Dionys Frei und Davide Tiraboschi: mit Regisseur Michael Bay in Malta bei «13 Hours»

Davide und Dionys von Dedicam mit Regisseur Michael Bay in Malta bei «13 Hours»

Davide Tiraboschi: Wir landen immer auf unserem Tisch! Das ist bei uns Standard. Es zeigt der Crew, dass wir unser Handwerk mit höchster Präzision beherrschen. Alle haben geklatscht. Wir haben uns mit der Crew sofort auch sehr gut verstanden.

Das hat dann zu«Transformers: The Last Knight» geführt, der in England gedreht wurde?

Davide Tiraboschi: Ja genau. Es wäre sicher günstiger gewesen, ein Team vor Ort aus England zu nehmen. Aber Michael wollte uns haben. Das Produktionsteam musste also alle Hebel in Bewegung setzen, um seinem Wunsch nachzukommen. Dies beinhaltete auch, dass Dionys für die englische Drohnenflug-Lizenz nach Großbritannien ging .

Dionys Frei: So ging ich speziell dafür noch vor dem Dreh nach England. Solche Chancen musst du packen.

Davide Tiraboschi: Weißt du, Michaels Produzent in England, der hat zu uns gesagt: ‚Hey Jungs, was habt ihr mit Michael gemacht?! Der will euch und niemand anderes. NIEMAND!’

Ich kann mich noch sehr gut an unseren ersten Transformers-Shot erinnern: Bergiges Gelände, schmaler Weg, wo wir unser Plätzchen hatten. Bay rief plötzlich «Drone … Go! …». Unsere Drohne ging hoch …

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Über Neil Raouf

Neil Raouf (31) aus Meiringen BE ist Sound Designer und Komponist. Nils lebt heute in der Nähe von Zürich. Schon als Teenager nervte es ihn, dass seine Musik nach einer Aufnahme anders klang. Dies war der Startschuss um sich auch ausgiebig mit der technischen Seite der Audioproduktion zu beschäftigen. Während seiner Zeit an der Fachhochschule (Bsc in Multimedia Production) wurde ihm klar, wie unendlich wichtig guter Audiocontent ist und wie sträflich dieser oft vernachlässigt wird. Der Leitfaden von Neil Raouf ist einfach: Es muss großartig klingen – ob Zugposaune oder Bachplätschern. Kontakt: neil(at)mera.film.

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