Einfach klar kommunizieren: Zwei bewährte Rezepte aus der Praxis

Wichtig ist, was ankommt

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Einfach klar kommunizieren ist in der Kommunikation mit Film und Video nicht nur redaktionell-inhaltlich erfolgsrelevant. Auch in der Herstellung kann eine einfache und klare Kommunikation für den Erfolg des Projektes entscheidend sein. 

Filmpuls zeigt in diesem Artikel zwei bewährte Rezepte aus der Praxis, welche die Qualität der Kommunikation auf allen Stufen und für alle Beteiligten einfach verbessern helfen können:

Wie die Filmsprache gehorcht auch die Kommunikation Regeln. Einfach klar kommunizieren lässt sich nicht nur mit Talent und mit Empathie und mit der Fähigkeit, die Sicht des Gegenübers einzunehmen, sondern auch mit Hilfe von Checklisten.

Was heißt einfach klar kommunizieren?

Zwei einfache Checklisten helfen bei der Verbesserung und Überprüfung der Qualität der Kommunikation im Zusammenhang mit Film und Video. Erstens das Prinzip „KLARE Kommunikation“ und, als alternatives, zweites Modell, das „Prinzip des Kernsatzes“.

Die Inhalte beider Checklisten überschneiden sich in einzelnen Teilen und in ihren Absichten. Beide Listen behalten ihr Gültigkeit selbstverständlich nicht nur für den Check von kommunikativen Inhalten in der Medienbranche, sondern auch weit darüber hinaus. Klare und einfache Kommunikation heißt, Kontext, Logik, Ambivalenz, Resonanz, Essenz, Stringenz und Prägnanz in der Kommunikation auf Seite des Absenders zu berücksichtigen und in eine Übereinstimmung zu bringen. Ganz konkret:

Die Zauberformel: KLARE Kommunikation

Martin Eppler ist Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen HSG. Er unterstützt Unternehmen dabei, ihre interne und externe Kommunikation zu optimieren. Dazu nutzt Eppler die von ihm entwickelte, einfache Formel K-L-A-R-E. Die Buchstaben stehen als Kürzel für fünf Kernwerte, denen nach Meinung von Eppler jede missverständnisfreie Kommunikation zwingend folgen sollte:

K = Kontext

Jede Kommunikation sollte von demjenigen, an den sie gerichtet ist, in ein größeres Ganzes eingeordnet werden können. Ohne Kontextinformation ist eine Botschaft für den Empfänger unvollständig. Interpretiert oder ergänzt der Empfänger die Botschaft teilweise oder gänzlich falsch, weil er das die Botschaft umgebende System und deren Hintergründe und Absichten nicht kennt, mindert das die Qualität der Kommunikationsmaßnahme empfindlich.

L = Logisch strukturiert

Auch wenn der Zeitdruck unser Arbeitsleben bestimmt und jedes Email scheinbar sofort eine Antwort erfordert:  Kommunikation sollte in ihrem Aufbau immer einer allgemein verständlichen und vom Empfänger nachvollziehbaren Logik folgen.

Unlogisch aufgebaute Informationen sind schwerer zu verstehen als Botschaften, die eine innere, logische Struktur besitzen.

Raum für unerwünschtes Fehlverständnis zu schaffen ist (in den meisten Fällen) nicht im Interesse des Absenders.

A = Ambivalenzfrei

Kommunikation sollte frei von Ambivalenz sein. Widersprüche und Zweideutigkeiten machen für den Adressaten unklar, was ihm der Absender tatsächlich kommunizieren wollte. Unklarheiten sind das Gegenteil von effizienter Kommunikation. Sie führen zu Fehlverhalten oder unnötigen Rückfragen.

R = Resonanz

Menschen suchen Resonanz. Nicht von ungefähr gilt seit Jahrhunderten: „C’est le ton qui fait la musique“. Auch Informationen dürfen dem Empfänger schmackhaft überreicht werden. Wer eine Information übermittelt, als würde er aus dem fahrenden Auto einer streunenden Katze einen Hühnerknochen hinwerfen, darf keine Stürme der Begeisterung erwarten.

E = Einfach oder essenziell

Schon Goethe und Marx haben sich bei den Empfängern ihrer oftmals seitenlangen Briefe damit entschuldigt, es fehle ihnen an Zeit, sich kurz zu fassen. Einfach und kurz in der Kommunikation zu sein, ist aufwändig und anspruchsvoll! Wer dies mit blinder Sicherheit aus dem Effeff vermag, darf stolz auch sich sein. Jeder Empfänger einer Botschaft wird das Ausbleiben informativer Umweltverschmutzung stets zu schätzen wissen.

Das größte Problem der Kommunikation besteht in der Illusion, dass sie stattgefunden hat. George Bernard Shaw

Das Prinzip der Kernaussage (Essenz, Stringenz und Prägnanz)

Das Kernaussageprinzip besagt, dass im Zentrum jeder Kommunikation nur eine Hauptinformation mit einem für den Empfänger klar erkennbaren Inhalt (Kernaussage) stehen darf. Anders gewendet:

Eine Botschaft wirkt dann am stärksten, wenn sie eine deutliche Hierarchie der Aussagen einhält.

Inhalte werden nach Wichtigkeit priorisiert, eingeordnet und kommuniziert. Klar erkennbar und für den Adressaten benennbar ist eine Hauptinformation dann, wenn sie essentiell, stringent und prägnant überbracht wird:

Essenz

Essentiell ist Botschaft nach dem Prinzip der Kernaussage dann, wenn eine Kommunikationsmassnahme eine klar definierte, relevante Aussage (= Kernsatz) besitzt. Dieser Kernsatz muss auf größtmöglichste Relevanz, auf Klarheit und je nach Art der Botschaft auf den Nutzwert, die die Information für den Empfänger hat, zielen. Grundsätzlich sollte die Kernaussage frühzeitig in der Botschaft genannt werden, und nicht erst zum Abschluss als Fazit.

Stringenz

Stringent ist eine Botschaft dann, wenn ihr Aufbau logisch und in klaren Schritten zur Hauptaussage hinleitet. Die Abfolge dieser Schritte muss miteinander verbunden und kausal (logisch und nachvollziehbar herleitbar) sein.

Prägnanz

Prägnant wird eine Kommunikationsmassnahme, wenn sie mit den richtigen Mittel richtig umgesetzt auf den richtigen Kanälen an die Adressaten übermittelt wird.

Authentizität und der Verzicht auf Floskeln sind zur Gewährleistung einer funktionierenden Kommunikation zwingend.

Kommunikatives Dominanzgetue ist kontrakproduktiv und darum zu vermeiden. Mittel, Umsetzung und die Wahl der Kommunikationskanäle müssen die bestmögliche Bereitstellung der Botschaft gewährleisten. Je passender die Auslieferung einer Botschaft erfolgt, desto größer ihre Prägnanz.

Fazit

Kommunikation ist nicht alles. Aber ohne Kommunikation ist (fast) alles nichts, nur schon weil es nichts gibt, was nicht auf irgendeine Art und Weise etwas kommuniziert. Für Filmemacher und Videoartisten, und für alle, die zwischen den Zeilen lesen und die Seismographie menschlicher Befindlichkeiten zum Zweck der medialen Multiplikation in Bild und Ton übersetzen dürfen und müssen, gilt das ganz besonders.

Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass für den erfolgreichen Umgang mit Film und Video nicht nur die Kommunikation funktionieren muss. Auch Know-how, Erfahrung und Talent sind spielentscheidend. Während Know-how und Erfahrung eine hohe kommunikative Komponente innehaben, ist Talent leider alles andere als automatisch kommunikativ und fair. Talent hat man. Oder man hat es nicht. Klare Kommunikation kann helfen, mangelndes Talent frühzeitig zu erkennen, oder die daraus enstehenden Folgen im letzten Moment abzumildern. Ersetzen kann die Kommunikation mangelndes Talent nie.

Einfach klar kommunizieren ist keine Hexerei. Wichtig ist nicht nur, was kommuniziert wird, sondern auch was ankommt. Die Übung macht den Meister. Und bekanntlich ist außer beim Fallschirmspringen noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Kinofilm- und TV Regisseur Markus bringt die Wichtigkeit der Kommunikation bei Bewegtbild-Projekten im Dienst von Marketing und Kommunikation eindrucksvoll auf den Punkt, wenn er sich selbst als »Dompteur im Flohzirkus der liebevollen Fachidioten« bezeichnet.


Anmerkung: Die vorgehenden Ausführungen beruhen auf Konzepten von Prof. Martin Eppler (KLARE-Prinzip) und  W. Günther/Til Nassif (Kernaussage-Prinzip), ergänzt und adaptiert um eigene Praxiserfahrungen. Die Filmpuls-Redaktion freut sich über Feedback und auf Widerspruch.

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.

3 Comments

  1. schöner Text. Die Passage „C’est le ton qui fait la musique“ widerspricht seiner Aussage jedoch ein klein wenig. Was, wenn jemand, wie ich, kein Französisch spricht? Er wird nicht verstehen. Sorry, aber das musste sein 😉

    • Danke für die Blumen! Wir freuen uns über jeden Kommentar. Nachdem letzthin ein Leser aus den USA, nach eigenen Angaben einzig englischsprechend, sich detailliert per Mail in Englisch zum deutschen Artikel über Subjektivität (https://filmpuls.ch/subjektive-wahrnehmung/) geäußert hat, haben wir an einen Scherz geglaubt und nachgefragt, weil der Artikel bisher noch nicht auf E veröffentlicht wurde. Als Antwort kamen zwei Wörter und ein Ausrufezeichen über den Atlantik: Google Translator! Es ist mit der Sprache und der Kommunikation wie mit der Mathematik: man muss sich darum bemühen 😉 Cordialement – das Filmpuls Team

  2. Deutsch und deutlich – kurz und kompakt! Danke für diesen Fachblog und dafür, dass ihr diesen so konsequent und regelmässig pflegt. Weiter so !

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