Filmarten definieren und für Auftragsfilme richtig briefen

Schlüssel für erfolgreiche Videos

Was ist ein Imagefilm? Was ein Produktfilm? Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmichsau

Filmarten definieren ist gar nicht so einfach, sollte aber am Anfang jeder Zusammenarbeit für Projekte und für die erfolgreiche Kommunikation mit Film und Video stehen.

Die Art der Definition kann der Schlüssel für den Erfolg eines Videos werden. Zugegeben, wie man ein Web-Video oder einen Auftragsfilm bezeichnet, das macht das Werk weder besser, noch stört eine falsche Bezeichnung den Zuschauer.

Der Knackpunkt liegt darin, was der Produzent auf Basis der Filmbezeichnung bei einer Anfrage für ein Projekt, oder später beim Start der Zusammenarbeit, aus der vom Kunden erwähnten Begrifflichkeit ableitet.  Der ohne Zögern in einem Briefing erwähnte Begriff Werbevideo oder Imagefilm heißt noch lange nicht, dass alles klar ist. Ein vergleichendes Beispiel zeigt die Tragweite der richtigen Bezeichnung von Filmarten: Wer Familienfreunde für ein gemeinsames Weekend in sein Ferienhaus einlädt und rückbestätigt, dass die Mitnahme von Kindern problemlos möglich sei, erwartet nicht die Großeltern als Begleitung. Und um beim Beispiel aus der Familienwelt zu bleiben: Opa wird von dem extra bereitgestellten Kinder-Dreirad eher beschränkt begeistert sein. Oder anders gesagt: Wer ein wissenschaftliches Fachbuch in der Bibliothek bestellt, erwartet keine Comics.

Filmarten definieren: macht die Erstausstrahlung im Web die TV-Serie zum Webvideo?

Filmarten definieren: macht die Erstausstrahlung im Web die TV-Serie zum Webvideo?

Begrifflichkeiten im Auftragsfilm

Der stets bewusste Umgang mit korrekten Begrifflichkeiten und Filmarten kann für die Kommunikation mit Film und Video und das Filme machen hauptsächlich 2 Aufgaben leisten:

  • Auf der einen Hand erlaubt die richtige Begrifflichkeit, das Kind von Beginn weg beim adäquaten Namen zu nennen. Sie hilft damit frühzeitig, Missverständnisse in der Zusammenarbeit zwischen Produzent und Kunde zu vermeiden. Missverständnisse sind in der Bewegtbild-Kommunikation meist kostspielige Angelegenheiten.
  • Auf der anderen Hand zwingt ein bewusster Umgang mit der Begrifflichkeit zur Auseinandersetzung mit der Kernaufgabe des Films oder des Videos und damit zur Fokussierung. Kein Film kann alle Zwecke für jedes Publikum auf allen Distributionskanälen in jedem Territorium erfüllen. Entsprechend sollte auch Film-Bezeichnung nicht auf das Gegenteil deuten.

Offene Definitionen wie beispielsweise „Erlebnisfilm“ sind wohlklingend, aber so sinnvoll wie der Schütze der seine Munition kauft bevor er sich für einen Waffentyp entschieden hat.

Filmarten definieren ist eine Herausforderung

Was nun ist sind  korrekte Bezeichnungen für einen Film und eine Filmart?  Spielfilmschaffende haben es hier einfacher. Ihr Markt unterscheidet zwischen Kino und TV, Fiktion und Dokumentation, Serie und einzelnem Film und greift auf Genres zurück. Werden Film-Arten nicht individuell definiert, bleiben sie im Auftragsfilm ein Kosten- und Qualitätsrisiko.. Was dann passieren kann, zeigt der FILMPULS-Artikel Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme.

Bei Imagefilm, Produktfilm und Online Videos dominieren mit Bezug auf Bezeichnungen mangels allgemein gültiger Definitionen oftmals Halbwissen. Folgende Tipps und Tricks helfen bei der Orientierung im Dschungel:

  • Die Begriffe Werbefilm, Werbespot oder TV-Spot sind wenig verfänglich, selbst wenn damit Online-Werbevideos gemeint sind. Hier dürfte allen Beteiligten klar sein, dass im Spannungsfeld von Kaufabsicht, Image, Bekanntheit und Sympathie in kürzester Zeit das Komma filmisch auf den Punkt gebracht werden muss.
  • Als Gegenbegriff zum Werbefilm wird meist Unternehmensfilm oder Marketing-Video genutzt.  Image-Film, Produkt-Film, Video-Testimonial, Video-Serie, Lehrvideo oder CEO Videos bilden eine mögliche Untergruppe davon. Hier wird die Filmlänge nicht in Sekunden kalkuliert, und die Distribution erfolgt in der Regel nicht über das Fernsehen.
  • Offene oder beschränkt eindeutige Begriffe wie „Erlebnisfilm“ sind nur erlaubt, wenn sie definiert werden. Zur Definition, die sich in jedem Fall und auch für die vorgenannten Bezeichnungen immer empfiehlt, gehört zwingend die Nennung von Zweck, Einsatzdauer, Zielpublikum, Filmlänge und angedachte oder bereits eingeplante Distributionskanäle.
  • Abzuraten ist von Bezeichnungen welche nur den Distributionskanal bezeichnen. Diese liegen zwar im Trend. Nur: Mit Web-Video oder Online-Video kann jeder Film gemeint sein der via Internet zugänglich ist, ungeachtet ob Werbespot oder Unternehmensfilm.
  • Die Nennung von vergleichbaren Filmen, die in Machart und Qualität dem eigenen Vorhaben gleichen, hilft zusätzlich.

Vergleichbar verwirrend wie die Definition von Filmarten ist der Umgang mit den Begriffen Filmformat und Videoformat. Auch hier gilt: der richtige Umgang und die korrekte Wahl des Begriffs (umgangssprachlich oder als terminus technicus) hilft, kostenspielige Irrtümer zu vermeiden.

Die Chancen für einen Produktionsabbruch sind oft die Ursache einer fahrlässigen Projektanalyse. Fehlerhaft können Analysen beim Filmarten definieren auch wegen Fehldeklarationen der Absichten und aufgrund falscher Bezeichnung eines Web-Videos oder Filmes sein. Dieses Risiko ist gänzlich unnötig und einfach zu vermeiden.

Im Klartext: Ohne Bewusstsein, dass sie individuell definiert werden müssen, bleiben Begrifflichkeiten im Auftragsfilm weiterhin das Pendant zum fabelhaften Wolpertinger in der Tierwelt. Schon in der Antike erwähnt und unter anderem im Münchner Jagd- und Fischereimuseum mehrfach als Präparat zu bewundern, gleicht doch kein Exemplar des Wolpertingers dem anderen.

Und zu guter Letzt: auch die „Vermarktung“ des Videos sollte bereits auf Stufe Briefing angedacht sein und in die Überlegungen zur Machart des Projekts einfließen können. Nur dann ist es möglich, beispielsweise Fotos oder Film-Stills für die später für das Marketing notwendigen YouTube Thumbnail effizient zu planen. Denn ein Imagefilm, den niemand sieht weil man ihn auf YouTube nicht findet, macht etwa soviel Sinn wie kein Imagefilm oder eine Website ohne SEO (Search Engine Optimization). Der Weg des Auftragsfilms liegt auch im korrekten Umgang mit Begrifflichkeiten, nur so findet er zurück in die Zukunft.


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Grafik und Artikel Filmpuls

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.

1 Comments

  1. Der Lieferant, der ein Kunde, der ein Konsument war. Am Ende zählt der Zweck alleine. Oder die Conversion. das ist heute die ultimative Wahrheit.

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