Im Filmbudget die Handlungskosten, Gewinn und Markup richtig verstehen

Leitfaden aus der Praxis für die Praxis

Was bedeuten Handlungskosten, Gewinn und Markup in einem Filmbudget Kein Buch mit sieben Siegeln

Was bedeutet in einem Filmbudget der Begriff Handlungskosten? Was ist Gewinn und was genau muss man sich unter Markup (auch als Mark-Up geschrieben) vorstellen? Das Verstehen einer Kalkulation für Film oder Online Video erfordert ein geballtes Maß an Know-how. 

Nicht nur die Frage Was kostet ein Imagefilm oder wie teuer darf ein CEO-Video sein, ist wichtig. Sondern auch, wie diese Kosten sich zusammensetzen. Immerhin soweit herrscht Einigkeit: Unkosten gibt es im Film weder aus Sicht des Einkaufs noch aus der Sicht des Produzenten. Im Budget gibt es immer nur Kosten.

Je nach Absender enthält das Budget nicht nur eine Totalsumme, sondern es weist teilweise zusätzliche, von der eigentlichen Filmherstellung scheinbar losgelöste Aufwände auf. Diese werden als Handlungskosten, Gewinn oder als sogenannter Markup („Aufschlag“) den Herstellungskosten zugeschlagen. Viele Auftraggeber fragen sich, was denn genau diese Kosten beinhalten und warum sie nicht immer ausgewiesen sind, und wenn, warum sie unter unterschiedlichen Bezeichnungen auftreten.

Das Folgen einer uneinheitlichen Praxis für die Kalkulation und Budget beim Film führt im schlimmsten Fall zum Verdacht, dass man es statt mit Kostenwahrheit mit dem zu tun hat, was Hollywood nicht ohne Grund als Voodoo-Accounting bezeichnet. Beim Lesen von Budget ist es wie bei der Diskussion über Kameratypen: fehlendes Wissen führt schnell auf das Glatteis.

Darum versucht dieser zweiteilige Artikel, anhand von Best Practise und Anwendungsbeispielen aus der Branche etwas Licht in den Dschungel der Begrifflichkeiten von Kalkulationen und Geld im Zusammenhang mit der Kommunikation von Film und Video  zu bringen.

Terminologie im Filmbudget

Handlungskosten sind je nach Branche unterschiedlich definiert. In einem Handelsunternehmen wird darunter jene Kosten verstanden, die anfallen, um eine Handelsleistung zu erbringen. Dabei ergeben Bezugspreis und Handlungskosten ergeben die Selbstkosten. In Produktionsunternehmen folgen Handlungskosten anderen Regeln. Diesfalls sind die Verwaltungsgemeinkosten, allenfalls zusammen mit den Vertriebs- und/oder Akquisitionskosten, die Handlungskosten. Handlungskosten und Projektkosten ergeben dabei die Herstellungskosten.

Einheitlicher ist der Sprachgebrauch beim Gewinn. Gewinn wird im Budget ausnahmslos als Überschuss der Erträge über die Aufwendungen definiert. Seine Verständlichkeit ist branchenübergreifend. Die Summe aus Projektkosten, Handlungskosten und Gewinn ergibt den Preis, der dem Kunden angeboten wird.

Der aus dem englischen Sprachraum stammende Begriff „Markup“ hingegen wird leider in Filmbudgets oftmals entweder

  • als Summe von Handlungskosten und Gewinn, oder
  • als Synonym für Handlungskosten

verwendet.

1. Markup

Unter Markup im Film wird bei den nachfolgenden Erläuterungen die Summe (das Total) aus Handlungskosten und Gewinn verstanden. Für den Empfänger einer Kalkulation, die nur einen Markup ausweist, ist es kaum möglich abzuschätzen, wie sich die beiden aufsummierten Posten im Budget in Tat und Wahrheit zueinander verhalten. Umgekehrt ist der Markup gleichzeitig die Differenz zwischen Kosten und Verkaufspreis.

Schematische Darstellung einer Kalkulation für Filme mit Markup:

LeistungPreisAnzahlTotal
Package 1100.-2200.-
Zwischentotal200.-
Markup 21 %42.-
Total242.-

Wie ein Budget für Film und Video im Detail aufgebaut ist, wird hier erklärt.

Budgets mit Markup sind insbesondere bei Filmen und Videos anzutreffen, die den Cost-Plus-Modus anwenden. Cost-Plus bedeutet, sämtliche effektiven Aufwände werden dem Kunden gegenüber offen gelegt und mit prozentualem Aufschlag weitergereicht.

Darum haben solche Kalkulationen nie den Charakter eines Pauschalbudgets und versteht sich der Markup einzig in seiner prozentualen Höhe als verbindlich. Weil die absolute Höhe des zu entrichtenden Markup sich erst nach Projektabschluss ergibt, liegt das Risiko für Kostenüberschreitungen beim Auftraggeber.

Weil das Tragen von Risiken nur dann sinnvoll ist, wenn das Know-how zur Risiko- und Projektsteuerung beim Risikoträger selbst vorhanden ist, wird das Markup-Modelle in der Filmbranche als Budget fast ausschließlich dort eingesetzt, wo man Teilaufträge des Projekts an Unterlieferanten (Subcontractor) weitergibt. Beispielsweise für Dreharbeiten im Ausland. Sie stellen eher die Ausnahme als die Regel dar.

2. Handlungskosten und Gewinn

Die typischen Handlungskosten in einem Filmbudget enthalten einen prozentualen Anteil der Verwaltungs- und Infrastrukturkosten, die für die Herstellung eines Films zwar benötigt, dem Projekt aber nicht schon zuvor als Einzelkosten zugeschlagen wurden. Typische Fälle für Handlungskosten sind Büromiete, Finanzbuchhaltung, Vertragsmanagement oder Abschreiber auf den Maschinenpark für die Bild- und Tonbearbeitung.

Schematische Darstellung einer Kalkulation für Filme mit Handlungskosten und Gewinn:

LeistungPreisAnzahlTotal
Package100.-2200.-
Zwischentotal 1200.-
Handlungskosten10 %120.-
Zwischentotal 2220.-
Gewinn10 %22.-
Total242.

Was in diesem Beispiel als Package (Leistungspaket) zusammengefasst wird, umfasst in einer Kalkulation für Film und Video in Realität viele Details. Ein Schema für den Aufbau einer Detailkalkulation findet sich hier. Was kostet ein Film (inklusive Tabelle mit Richtpreisen) und was kostet ein Imagefilm, wird in eigenen Artikel in FILMPULS erläutert.

Kalkulationen im Film mit ausgewiesenen Handlungskosten und Gewinn sind die transparenteste Form der Budgetierung. Wer in diesem Modus seinen Film kalkuliert und als Produzent die für Handlungskosten und Gewinn eingesetzten Werte im Budget dem Kunden gegenüber nachvollziehbar begründen kann, handelt nicht nur professionell, er vermittelt seinem Kunden auch Sicherheit, Langfristigkeit und folgt dem Gebot der Nachhaltigkeit.

Nur Wirtschaftsromantiker dürften davon ausgehen, dass ein Unternehmen ohne saubere Kostenrechnung und adäquaten Gewinn im Falle eines Falles für die eigenen Leistungsversprechen einstehen kann.

Ein Filmbudget geht (kontrolliert) in Rauch auf. | Dreharbeiten Imagefilm, (c) Condor Films

Ein Filmbudget geht (kontrolliert) in Rauch auf. | Dreharbeiten Imagefilm, (c) Condor Films

3. Inkludierte Darstellung

Kalkulationen für kleinere Projekte schlagen Handlungskosten und Gewinn oftmals direkt den einzelnen Projektkosten zu. Das ergibt immer dann Sinn, wenn entweder die Einfachheit des Vorhabens die Transparenz sowieso gewährleistet (beispielsweise bei Web Video-Serien) oder wenn die Produktion dem Kunden eine Pauschale anbietet, und damit mit Handlungskosten und Gewinn in das Risiko geht.

Schematische Darstellung einer Kalkulation für Filme mit in Preise inkludierten Handlungskosten und Gewinn:

LeistungPreisAnzahlTotal
Package121.-2242.-
Total242.-

Im Markt für Auftragsfilme tauchen immer auch wieder Kalkulationen auf, die tragischerweise nur darum keine Handlungskosten und Gewinne (oder Markup) ausweisen, weil es dem Absender an notwendigem unternehmerischen Grundwissen fehlt. So erstaunt denn auch nicht, dass rund 40 % der neu gegründeten Video- und Filmproduktionen fünf Jahre nach ihrer Gründung bereits wieder vom Markt verschwunden sind.

Trotzdem setzen erstaunlicherweise auch international tätige Konzerne immer wieder auf Projekte und Anbieter mit zweifelhaften Angeboten. Dies im falschen Glauben, die eigene Rechtsabteilung würde im Worst Case die Umsetzung des Vertrages durchsetzen. Wer dann aber zu einem späteren Zeitpunkt Ansprüche gegen über einem nicht mehr existenten oder nicht mehr greifbaren Vertragspartner durchsetzen will lernt schnell, dass auch Juristen nicht zaubern können.

Zusammengefasst

Filmkalkulationen haben nicht nur einen Preis, sondern auch einen Wert. Einverstanden, ein Budget ist  ein Planungsinstrument zur Allokation der Mittel. Aber nicht nur. Das Filmbudget zeigt, ob die Fähigkeiten des Filmpartners über das künstlerische und filmische Handwerk hinausgehen. Es ist damit ein wichtiger Indikator für Professionalität. Und richtig: Zum Budget gehört auch die Kommunikation: im Klartext kommunizieren ist für das Verständnis einer Film-Kalkulation und die Zukunft im Auftragsfilm essenziell.

Filme sind Projekte und diese haben einen Preis, der erstens verhandelt werden kann und zweitens verhandelt werden darf. Umgekehrt gilt aber auch: Wer als Auftraggeber die Handlungskosten und Gewinn seines Lieferanten durch das beliebteste Werkzeug der Wurst-Industrie, den Fleischwolf,  dreht, der darf als Gegenleistung kein Rindsfilet erwarten.

Fortsetzung und weiterführende Beiträge

Die Fortsetzung der Artikel-Serie „Zwischen Vodoo-Kalkulationen und Kostenwahrheit“ erscheint demnächst im Filmpuls. Teil 2 der Serie zu Voodoo-Accounting in Film und Video (Filmkosten) wird erklären, wie man ein Filmbudget richtig liest und zudem erläutern, was ein Film- und Videobudget leisten kann – und was nicht. Der abschließende letzte Teil (Filmkalkulation Beispiel) erläutert klassische Stolpersteine in der Anwendung einer Filmkalkulation. Die Frage Was kosten Filme? wird in einem separaten Beitrag erläutert.

Ein Beispiel für ein Kalkulationsschema präsentiert die dreiteilige Filmpuls-Serie zur Budgetierung.


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Männer und Frauen © Artikel: Filmpuls

Über Maurus Eugster

Maurus Eugster ist Leiter Finanzen und Mitglied der Geschäftsleitung der Condor Films AG.

2 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Eugster
    Ich nutze die Gelegenheit, auszudrücken, wie ich die kleinen Bloqbeiträge der Condor schätze. Sie zeigen mir, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin.
    Wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag
    und verbleibe mit herzlichen Grüssen
    Aydin K. Riza

  2. Sehr interessanter Beitrag. Ich habe schon mehrere Webvideos und Unternehmensfilme in Auftrag gegeben. Werde das nächste mal darauf achten. Danke

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