Filmformate, Seiten-Verhältnis, Bildformat und Bildgrössen

Die ultimative Einführung (Teil 1)

Filmformate für Marketing und Kommunikation mit Film und Video Alles über Filmformate für Marketing und Kommunikation mit Film und Video

Die meisten Filme haben eine Haltung. Jeder Film hat ein Format. Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Grundlagen zum Thema Filmformate, Seitenverhältnis und Pixelwerte bei der Bewegtbild-Kommunikation mit Film und Video. Das Bildformat ist für die Arbeit mit visuellen Medien ebenso relevant wie Inhalte, Know-how, Erfahrung und Talent der Beteiligten vor und hinter der Kamera.

Das Filmformat ist einerseits Gestaltungsmittel und andererseits durch technische Vorgaben bedingt. Der richtige Umgang mit diesen Faktoren prägt die Qualität der Wahrnehmung entscheidend mit. Dieser Artikel versteht sich als Einführung in die Thematik. Er erklärt die wichtigsten Begriffe und zeigt,  wie das korrekte Format bestimmt werden kann.

Die Frage nach dem Filmformat ist, anders als von Laien und Einsteigern in die Film- und Videobranche vermutet, nicht (!) identisch mit der Frage danach, was Film und Video als Bildträger unterscheidet. Auch hat das Filmformat nichts mit Videoformaten und Datenformaten zu tun (diese beiden Begriffe werden demnächst in einem eigenen Artikel zum Thema Videoformate erklärt). Den Unterschied zwischen Film und Video erklärt der Filmpuls-Beitrag „Was ist ein Video?

Für was also steht der Begriff „Filmformat“ denn nun wirklich?

Filmformate: Definition

Das Filmformat ist ein Sammelbegriff für zwei unterschiedliche Vorgänge. Er umfasst das „Aufnahmeformat“ (die Frage danach, in welcher Größe das Bewegtbild auf den Datenträger aufgenommen wird) und das „Seitenformat“ (die Frage danach, welches Seitenverhältnis das aufgenommene Bild auf dem Datenträger hat). Beide diese Aspekte, Bildgröße und Seitenverhältnis, werden auch als Drehformat bezeichnet. Das Drehformat ist ein Synonym für das Filmformat (und wird in diesem Artikel auch so verwendet).

Wie bereits erwähnt bleibt der Begriff „Videoformat“ der technischen Spezifikation eines Video-Filmes vorbehalten (mehr dazu im separaten Artikel zu Videoformaten). Die Begrifflichkeit Filmformat umfasst in dem hier verstandenen Sinn sowohl Filme wie auch Videos.

Aufnahmeformat

Eine beste Annäherung an die Definition von Aufnahmeformat gelingt wenn man mit dem Medium beginnt, aus dem 1895 auch die ersten Kinovorführungen hervorgingen: der Fotografie.

In der Fotografie wird das Aufnahmeformat (manchmal auch Negativformat genannt) durch die Abmessung des Bildes definiert, welches früher auf den fotografischen Platten und heute auf dem Bildsensor der Kamera aufgezeichnet wird. Und wie im Film hat in der Fotografie das Aufnahmeformat nur indirekt mit der Frage zu tun, in welchem Seitenverhältnis und in welchem Umfang (wie viele Fotos oder wie viele Minuten Film) eine gewisse Anzahl Bilder auf einem Bildspeicher festgehalten werden kann.

In der digitalen Filmproduktion wird das Aufnahmeformat durch die Anzahl Bildpunkte (Pixel) festgelegt. Das Total der Bildpunkte wird Auflösung oder Bildauflösung genannt. Je höher die Auflösung, desto grösser ist die Anzahl der Bildpunkte.

Filmpuls Filmformat Auflösung HD

Drehformat: Beispiel Auflösung HD

Filmpuls Filmformat Auflösung SD

Drehformat: Beispiel Auflösung SD

Die Anzahl Pixel pro Flächeneinheit entscheidet über die Wahrnehmung der Schärfe. Gut erkennbar wird das, wenn ein identisches Bild (siehe rechts) mit einer unterschiedlichen Anzahl Pixel darzustellen ist. Ein Quadrat entspricht im Beispiel-Bild einem Pixel. Die Schärfewirkung hängt allerdings immer auch vom Kontrast und vom Betrachtungsabstand ab.

Parallel zur technischen Entwicklung hat sich nach und nach eine ganze Reihe von Standards herausgebildet. (Warum die größtmögliche Menge an Pixeln nicht immer die bestmögliche Lösung ist, wird weiter unten im Artikel erklärt.)

In der Regel werden bei der Nennung des Seitenformats als Multiplikation zuerst die Breite und dann die Höhe des Bildes erwähnt. Wird nur ein Wert erwähnt, entspricht dieser meist der Bildhöhe.

  • Standardauflösung. Abgekürzt als SD. SD als Standardauflösung entspricht dem früheren PAL-plus. Ein Video in SD hat eine Höhe von 576 Pixeln (Bildpunkte). Bei einem angenommen Seitenverhältnis von 16:9 ergibt SD 1024 x 576px (Breite x Höhe, px steht für Pixel). Anmerkung: das früher in den USA übliche Alternativformat zu PAL, NTSC, besass 853 x 480px.
  • High Definition (deutsch: hohe Bilddefinition). Abgekürzt als HD. Video-Bilder in HD sind 720 Pixel hoch. HD hat damit bei 16:9 eine Auflösung von 1024 x 720px.
  • Full High Definition. Abgekürzt als Full HD. Ein Video in Full HD (deutsch: „Voll-HD“) ist 1080 Pixel hoch. Bei 16:9 ergibt 1920 x 1080px.
  • 2K (das 2K steht für 2 Kilo. Das altgriechische Wort Kilo steht für die Zahl „Tausend“, was 2 x 1000, also 2000 Pixel. ergibt Aber Achtung! Die 2000 Pixel beziehen sich für 2K nicht wie bei SD und HD auf die Bildhöhe sondern auf die Bildbreite! Auch wenn es exakt 2048 Pixel sind, was verkaufstechnisch super klingt: das Aufnahmeformat 2K ist also nur wenig grösser als Full HD mit einer Breite von 1920 Pixel. Das ist einer der Gründe, warum oftmals für Kino-Spots in 2K in Tat und Wahrheit nicht 2K sondern Full HD zur Verwendung kommt. 2K bei 16:9 ergibt  2048×1080.
  • 4K besitzt 3840 Bildbreite und erreicht damit, anders als der Name andeutet, nicht ganz 4000 Pixel. Diesen Wert erreicht nur das sog. True 4K. Weil im Berufsalltag oftmals von „4K“ gesprochen wird und unklar ist, ob 4K oder True 4K gemeint ist, empfiehlt es sich im Zweifel bei 4K nach der tatsächlichen Pixelbreite nachzufragen.
  • True 4K (deutsch: echtes 4K) ist die Verdoppelung von 2K, was 2 x 2048 = 4096 Pixel an Bildbreite ergibt. Was für Fotos noch einigermaßen gut handzuhaben ist, ergibt bei Filmaufnahmen mit 25 Bildern pro Sekunde eine Datenmenge, die schon bei wenigen Minuten Filmlänge gigantisch wird. Für die Verarbeitung von 4K muss darum auf eine extrem leistungsstarke und entsprechend kostenintensive technische Infrastruktur zugegriffen werden. Auch wenn sich viele Regisseure, Werbetreibende und Kinos gerne Filme in 4K wünschen: die mit 4K verbundenen hohen Kosten halten selbst millionenschwere Kinofilme davon ab, in der Königsklasse zu produzieren.

Wie HD (High Definition) genau definiert und was als HD bezeichnet wird, so zeigen es die letzten beiden Jahrzehnte, bestimmt immer der aktuelle Stand der Technik. Was heute als Innovation und Zukunftstechnologie und bezeichnet wird, ist morgen möglicherweise schon wieder überholt. Davon zeugen die Namenszusätze wie Full HD und Ultra HD. Man darf gespannt sein, wann Super HD und Hyper HD folgen werden.

Pixelgröße: von PAL bis zu 4K bei einem Seitenverhältnis von 16:9

Wird bei digitalen Filmkameras von S-35 (angelehnt an das Negativ im S-35MM Analogfilm-Format) oder 65(MM) gesprochen, ist damit in der Regel das Sensor-Format, also die Größe des Bild-Sensors in der Digitalkamera gemeint. Die Qualität von Sensoren unterscheidet sich primär durch zwei Werte: die Sensor-Größe (dieser Wert wird als die Länge der Diagonale beschrieben) und durch das Seitenverhältnis.

Alternativ kennzeichnet die Millimeter-Zahl, dass die digitale Kamera (respektive der Bildsensor dieser Kamera) mit den Objektiven von Analogkameras kompatibel ist. Professionelle Kamera-Linsen sind Meisterwerke optischer Präzisionsarbeit. Der für einen High-End-Werbefilm oder Spielfilm erforderliche Objektiv-Satz erfordert bei der Anschaffung schnell einmal Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Diese Kosten lassen sich nur über Jahre hinweg einspielen. Um den Umstieg auf digitale Kameras zu fördern haben deren Hersteller darum wo immer möglich die Kompatibilität der Kameralinsen sichergestellt.

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.

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