Jörg Buckmann: «Vermutlich hilft es, wenn man etwas extrovertiert ist»

Frechmut und Filme

Jörg Buckmann: «Vermutlich hilft es, wenn man etwas extrovertiert ist» Jörg Buckmann: «Vermutlich hilft es, wenn man etwas extrovertiert ist»

Jörg Buckmann hat nicht nur als unkonventioneller Unternehmer und als gefragter Referent eine steile Karriere hingelegt. Er ist auch bekannt für „Frechmut“, einen Begriff den er nicht nur selbst erfunden, sondern gleich voller Tatkraft im deutschen Sprachraum mitgeprägt hat. Auch mit Videos. Frechmut ist gemäß Buckmann ein Cocktail aus Frechheit, Mut, Leidenschaft, Ego und Tatkraft. Suchtpotential inklusive.

Im richtigen Leben unterstützt Jörg Buckmann mit „buckmanngewinnt.ch“ Unternehmen praxisnah in allen Fragen rund um Arbeitgeberauftritt und Personalmarketing. Vor seinem Wechsel in die Selbständigkeit war er selbst langjähriger Personalchef. Zum Erreichen seiner Ziele im Employer Branding und für das Recruiting setzt Jörg Buckmann seit jeher auch auf Videos – die natürlich immer auch eine gesunde Portion Frechmut beinhalten sollen.

Im Interview mit Filmpuls gibt Jörg Antworten darauf, was das Bewegtbild in der Kommunikation mit Film und Video aus seiner Sicht für Personalmarketing, Recruiting, Social Media und Employer Branding leisten kann.

Interview mit Jörg Buckmann

Filmpuls: Jörg, wie würdest Du einem Ausserirdischen erklären, was Du machst.

Jörg Buckmann: Ich helfe Firmen und Behörden, auf dem irdischen Arbeitsmarkt eine gute Figur abzugeben. Also nicht so unförmig und sperrig wie ihr Ausserirdischen. Der Ausserirdische würde darauf vermutlich so etwas wie: Nadajewujarosch!!! antworten.

Wechseln wir von den Ausserirdischen zu den Menschen. Mir wurde mal gesagt, dass man, um im Personalmanagement, Personalmarketing oder Recruiting arbeiten zu können, Menschen mögen muss. Jörg, magst Du Menschen?

Jörg Buckmann: «Vermutlich hilft es, wenn man etwas extrovertiert ist» - filmpuls

Jörg Buckmann

Eine fiese Frage. Ja, klar, es ist schon wichtig, dass man Menschen gerne mag, wenn man im HR, Personalmarketing und Recruiting arbeitet. Keine Frage. Vermutlich hilft es auch, wenn man etwas extrovertiert ist. Ja, ich mag Menschen und bin meist gerne unter Menschen. Aber: Leute mit einem übersteigerten «Gschpürschmi-Helfersyndrom» sind im HR am falschen Ort. Ich zum Beispiel kann nicht generell sagen, dass ich alle Menschen mag. Die Liste, die das Gegenteil beweisen würde, ist ziemlich lang.

Du setzt für das Recruiting im Employer Branding auffallend oft auf Filme, warum?

Einer meiner Lieblingsprofessoren, Christoph Beck, sagte oder schrieb einst, ich weiß es nicht mehr so genau: Videos lassen Menschen zu Menschen sprechen. Das trifft den Nagel auf den Kopf. In der Personalreklame ist es wichtig, dass die Botschaften glaubhaft rüberkommen. Und überhaupt: Ein guter Film ist unterhaltsam und informativ. So stelle ich mir Personalmarketing vor.

Mitarbeitende oder Führungskräfte, die in einem Film erzählen, wie es sich anfühlt, bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, sind glaubwürdig. Wenn man sie erzählen lässt und nicht einfach Sätzli aufsagen lässt. Jörg Buckmann

Würdest Du über einen schlechten Arbeitgeber einen guten Film machen?

Die gescheite Antwort ist: Nein, natürlich nicht. In Tat und Wahrheit: Wenn er mir selber sympathisch ist, vermutlich ja.

Gibt es eine Firma oder Organisation für welche du besonders gerne arbeiten würdest? Und eine für welche du auf keinen Personalmarketing machen? Warum?

Niemals? Für die SVP. Und für die Unia. Überhaupt möchte ich nicht für Extremisten arbeiten – beide sind das gewissermaßen.  Besonders gerne würde ich für Swatch arbeiten. Als Uhrenfan liegt mir dieses Unternehmen unglaublich am Herzen und ich finde Nick Hayek wie seinen Vater unglaublich charismatisch. Da ist so viel Wissen und Leidenschaft in ihren Produkten – dieses würde ich gerne endlich auch in ihren Arbeitgeberauftritt bringen. Und für Tamedia oder SRF. Ich finde die Medien spannend, sie faszinieren mich. Ihren Arbeitgeberauftritt würde ich gerne mitprägen.

Ein Film besitzt immer einen Blickwinkel und damit einen Ausschnitt der Wirklichkeit – was machst du, damit sich Leute wegen einem Video nicht bei deinem Auftraggeber bewerben und dann herausfinden, dass die Realität nicht mit der Erwartung übereinstimmt?

Ich nehme beim Konzept und spätestens beim Drehbuch Einfluss. Und ich versuche, durch ehrliches Feedback Einfluss zu nehmen. Letztlich bin ich aber nur Begleiter und Berater.

Lass uns über Motivation sprechen: Können Filme den Zuschauer zu einem Tun motivieren? Oder können sie nur etwas wecken, was eh schon da ist? Was ist eigentlich Motivation?

Wie heißt es bei der Kinderüberraschung? «Aber das sind ja gleich drei Dinge aufs Mal?!» Also: Motivation würde ich gänzlich unakademisch als Antrieb bezeichnen, etwas zu tun. Können Filme nun also zu einem Tun «motivieren»? Ich glaube ja. Klar, wenn es um eine mögliche Bewerbung geht, ist es wohl eher ein Mix aus unterschiedlichen «Punkten», die stimmen müssen, damit ich den Bewerben Button drücke. Aber ich glaube fest daran, dass Filme genau die Emotionen transportieren können, die letztlich das Verhalten beeinflussen können. Der Entscheid für einen neuen Job ist stark emotional geprägt. Videos drängen sich somit im Personalmarketing-Mix geradezu auf.

Auf was ich schon immer Antworten wollte, auch wenn es nichts mit Film zu tun hat: stimmt es, dass die großen Unternehmen aus Prestigegründen und Reputation viele Anzeigen online haben für offene Stellen, die es gar nicht gibt oder die schon längst besetzt sind?

Nein, das ist eine Mär. Richtig ist aber, dass zehntausende Stellen in der Schweiz so gar nicht vakant sind: Personaldienstleister schreiben sie anhand von realen Stellenanzeigen der Firmen aus und versuchen so, an interessante Dossiers zu gelangen und diese dann den Unternehmen anzubieten. Das ist der Fakt. Ab und an gibt es noch Firmen, die vorgeben, Stelleninserate aus Imagegründen für teuer Geld in den verbliebenen Kaderstellenmärkten bei Tagi/SonntagsZeitung oder NZZ zu schalten. Das ist aber kaum ernst zu nehmen. Diese Werbeinserate für Stellen sind so grottenschlecht, dass sie alles Mögliche auslösen, aber sicher nicht in die Marke einzahlen.

Und wenn wir bei Stellenanzeigen und Bewerbungen sind: wann wird es üblich, dass ich mich mit Video bewerbe statt mit einem Dokument? Wann ist es zu empfehlen?

So sehr ich ein Fan von Video bin: Das erlebe ich wohl kaum. Und ich gebe es auch zu, dass das Handling von Bewerbungen über Video praktisch unmöglich ist. Der Zeitaufwand ist gigantisch. Man stelle sich eine kaufmännische Stelle vor, die 80 Bewerbungen auslöst und alle bewerben sich per Video. Das ist zeitlich nicht zu schaffen für die HR-Leute.

Die Filme, an denen Du im Vorder- oder Hintergrund mitbeteiligt bist, sind oftmals unkonventionell und originell. Damit setzt Du Maßstäbe, setzt Dich und alle anderen aber auch unter Druck, immer noch „einen draufzugeben“. Wo führt das am Ende hin? Wenn alle superkreativ sind im Arbeitgebermarkt, werden dann irgendwann gewöhnliche Filme wieder außergewöhnlich?

Tja, immer dann, wenn ich wieder einmal eine gute Idee hatte, frage ich mich das auch. Und ganz ehrlich: Ja, es ist ein Druck, den Kunden nicht nur beim Video immer wieder Neues, Differenzierendes anzubieten. Das macht manchmal in dunklen Nächten schon auch ein wenig Angst. Aber irgendwie geht es immer. Ich habe gelernt, dass ich bei kreativen Dingen manchmal auch Hilfe, Zweit- oder Drittmeinungen einholen muss.


VorschaubildJörg Buckmann und Condor Films: EKZ Karrierevideos
Video: Jörg Buckmann mit Condor Films AG (Kreation/Produktion)

Wir haben auf deiner Webpage „buckmanngewinnt.ch“ entdeckt, das du in der Primarschule eine 4.5 als Schulnote im Fach „Werken&Gestalten“ hattest. Dennoch leistest du nun täglich kreative, gestalterische Aufgaben. Hat dein/e Primarlehrer/in dieses Talent damals nicht erkannt oder wie erklärst du dir diesen Werdegang?

Ja, Herr Brändle, mein wirklich sehr geschätzter Lehrer in Werken und Gestalten und anderen Fächern hatte es nicht leicht. Ich habe in der Tat zwei linke Hände, ich bin völlig talentfrei und scheitere handwerklich an banalsten Dingen. Zum Glück gibt es Menschen, die in diesen Dingen Talent haben. Ich habe dafür Fantasie mitbekommen, vermutlich eher von den Eltern als von der Schule. Ideen, die einfach so sprudeln. Mir fallen irgendwie einfach permanent – oft im Alltag – coole Dinge ein. Dafür kann ich gar nichts – ist einfach so. Aber frag mich bitte nicht, wie man ein Bild an die Wand hängt…

Du hast kürzlich eine Werbeagentur gegründet und nennst diese Reederei für Personalreklame: wann sehen wir den ersten Werbespot der Mehrblick Zürich?

Halt, das ist komplett falsch. Zusammen mit Kristian Widmer, er amtet als 1. Nautischer Offizier, habe ich nämlich keine Werbeagentur, sondern mit Mehrblick Zürich nichts weniger als die vermutlich weltweit erste Reederei für Personalreklame gegründet. Und das in Zürich! Wir transportieren damit für unsere Kunden deren schöne Arbeitgebervorteile und Jobs über alle Arbeitsmarktmeere zu den Kunden. Und weil Kommunikation bei diesem Vorhaben eine wichtige Rolle spielt, sind wir passenderweise manchmal in der Tat eine Re(e)derei. Du merkst, wir nehmen uns nicht immer bierernst – unsere Projekte und Kunden hingegen schon. Obwohl: Ich finde schon, dass es auch in Zürich Platz für eine Reederei hat. Schließlich liegt Hamburg ja auch nicht am Meer… In unserer ersten Kampagne, sie wird in wenigen Tagen online gehen, steckt ziemlich viel Energie. Mehr möchte ich nicht verraten, außer: Natürlich spielen Videos wieder eine wichtige Rolle.

Eine letzte Frage aus reiner Neugierde: Wenn dein Leben verfilmt werden würde, wer würde die Hauptrolle übernehmen?

(lacht laut). Nun ja, keine Frage: George Clooney! Who else? Oder Tom Cruise, wenn er unbedingt will. Sie ähneln mir schon sehr, finde ich… Okay, ein bisschen träumen darf man ja. Axel Prahl, der etwas untersetzte Kommissar Thiel aus dem Tatort, wäre wohl realistischer.

Herzlichen Dank, Jörg, für das Interview!


Interviews in Filmpuls dürfen nur eines nicht: langweilen. In der Rubrik Interview kommen Regisseure, Kreative, Schlüsselpersonen der Filmszene und weitere Exponenten der In- und ausländischen Bewegtbildkommunikation zu Wort. Die bisherige Artikel portraitieren nebst Jörg Buckmann unter anderem: Wigald Boning (TV-Moderator und Multitalent), Jürg Ebe (Regisseur, u.a. „Handyman“ und „Liebling, lass uns scheiden!“), Patrick Merz (Regisseur, u.a. „Hotel California“), Kristian Widmer (Produzent Condor Films) sowie Deborah Neininger und Jan Sulzer (Regie-Duo, ua. für die TV-Serie „Güsel“), Adrian Teijido, (Cinematographer, ua Netflix‚ Narcos) und Markus Welter (u.a. Tatort, Der Bestatter).

Über Marianne van der Kooi
Marianne van der Kooi ist Production Coordinator und Creative Contributor bei Condor Films und FaroTV.

2 Comments

  1. Liebe Frau Van der Kooi

    Danke für diesen interessanten Beitrag.
    Wie immer interessant wenn der Jörg erzählt. Das Video ist sehr interessant. Doch 2 Fragen habe ich:

    1. Wer ist genau die Zielgruppe (Biker, Ingenieure, Elektriker…?)
    2. Was sagt mir das Video genau über die Kultur des Unternehmens aus (ein wichtiger Grund warum jemand vielleicht gerade dort arbeiten möchte?)

    Natürlich, der Sprecher spricht fliessend Hochdeutsch, verkauft sich gut (sehr gutes Skript) und Kameraführung exzellent.

    Wir haben das auch versucht (siehe Link in meinem Namen) mit einem Video. Aber von Euer Professionalität sind wir noch weit weg. Also da müssen wir noch deutlich aufholen, d.h. uns verbessern. 🙂
    Chapeau!

    Freundlichst
    Urs
    #BrandBuzz

  2. Lieber Urs, danke für den Kommentar. Als quasi Götti des eingebetteten Videos beantworte ich gerne die Fragen. Nun, das Video ist eines einer Serie von vier Clips, welche die vier zentralen Arbeitgebervorteile der EKZ auf eine etwas andere Art und Weise vorstellen. Zielgruppen sind hier querbeet alle potenziellen Mitarbeitenden mit Karriereplänen im Hinterkopf. Über den guten Teamgeist weiss Barkeeperin Lisa mehr… Sie und alle dieser aussergewöhnlichen Videos gibt es hier zu sehen http://www.ekz.ch/de/ueber-ekz/karriere.html. Übrigens: Im November gibt es noch mehr von den EKZ zu sehen – mit einer tollen Kampagne und noch mehr Videos. Jörg

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