Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und Video

Über Inkompetenzerkennungskompetenz

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz in Film und Video Inkompetenzerkennungskompetenz

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Im Internet tummeln sich aktuell rund 1’354’000 Unternehmen alleine aus Europa, die sich als professionelle Filmproduktionen oder Videoproduktionen bezeichnen. Wie aber lässt sich herausfinden, welches der bestmögliche Partner für Kompetenz und einen Imagefilm ist oder für ein Web-Video? Tipps und Tricks aus der Praxis und vor dem Hintergrund von 23 Jahren Erfahrung des Autors in der Kommunikation mit Film und Video.

Ganz vorne bei der Evaluation der Kompetenz einer Produktionsfirma steht in der Regel die Visionierung bisheriger Arbeiten (Showreel), meist ergänzt mit einem Blick auf den Werdegang und die Reputation des Unternehmens. Kommt es dann nach der ersten zahlenbasierten Kick-Out-Runde und auf Basis von Richtofferten zum persönlichen Austausch mit möglichen Kandidaten für eine Zusammenarbeit, wird es für den Auftraggeber anspruchsvoller.

Nicht weil diese Meetings zum gegenseitigen Kennenlernen oftmals unangenehm sind. Sondern weil viele Producer ungewöhnlich nette und überdurchschnittlich charismatische Menschen mit großen kommunikativer Fähigkeiten sind. Das dem so ist hat seine Gründe. „Verkaufen können“ gehört zum Berufsbild des Produzenten im Auftragsfilm. Aber so wie ein großer Flatscreen-TV nicht automatisch hilft beim schöner Fernsehen, sind Worte nicht automatisch gleichgedeutend mit Kompetenz.

Wer nicht mit Know-how zu überzeugen vermag, macht mit seiner Firma keine Filme und bleibt nicht lange im Geschäft. Wie aber lassen sich, sinnbildlich gesprochen, nach dem Abarbeiten der Standardliste (Showreel, Recherche, Richtbudget) die weiteren, wirklich erfolgsrelevanten, Kompetenzen beim Erstkontakt erkennen?

Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz

Dieser Artikel listet, in nicht gewichteter Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, eine Auswahl weiterer wichtiger Kriterien auf, die auf der Suche nach Filmproduktionsfirmen und Videomachern, ergänzend zu Showreel und Reputation, von Bedeutung sein können.

Problemlösungskompetenz

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoJeder Film ist ein Projekt. Jedes Projekt bringt Überraschungen mit sich. Erfreuliche und weniger erfreuliche. Wurden die Projektrisiken schon zum Projektstart, oder noch besser parallel zur Konzeption und mit dem Setzen der Projektparameter, sorgfältig evaluiert und diskutiert, so stehen für jeden Fall (zumindest gedanklich) schon unterschiedliche Szenarien bereit. Wer wie Filmemacher und Videokünstler im Projektgeschäft wirklich zu Hause ist, beherrscht die Szenario-Technik im Schlaf.

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoEin Problem lässt sich nie nur auf eine Art lösen. Wer das behauptet hat entweder keine Optionen geprüft oder ist nicht in der Lage dazu. Argumente wie „So macht man das eben…“ oder „Es geht halt nicht anders“ zeigen keine Kompetenz sondern sind meist nicht mehr als billige Ausreden. Bei der Filmproduktion und bei der Herstellung von Videos, ungeachtet ob Spielfilm oder Imagevideo, verhält es sich wie im Leben: komplexe Probleme sind selten mit eindimensionalen Lösungen aus der Welt zu schaffen.

Erfahrungskompetenz

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoWer in seinem Metier sattelfest ist, scheut sich nicht (oder nur selten) davor, seine Erfahrungen und Kompetenzen mit Berufskollegen und Kunden zu teilen, sondern freut sich meist über jeden Austausch und jede Chance, die eigenen Erfahrungswerte auf den Prüfstand zu stellen. Jeder große Film ist ein Universum und jeder Produktfilm ein maßgeschneiderter Schuh. Jeder Film und jedes Video ist die Summe aus einer Vielzahl von unterschiedlichsten Erfahrungen der Macher. Ob logisch verargumentiert oder offen deklariert als Bauchgefühl: Erfahrungen sind eine unbezahlbare Entscheidungshilfe auf allen Stufen der Wertschöpfungskette für die Bewegtbildproduktion.

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoEinen breiten Erfahrungsschatz zu besitzen bedeutet, viel erlebt zu haben. Wer viel erlebt hat, der besitzt immer auch Erfahrungsmacht. Wer seine Erfahrung jedoch dazu einsetzt um andere Projektbeteiligte zu verunsichern, sei es aus verhandlungstaktischen Gründen oder zur Stärkung des Egos und der eigenen Machtposition in einem Filmteam, macht sich schwächer (siehe dazu auch den Filmpuls-Artikel 5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter beim Film). Filmarbeit ist immer Teamarbeit. Egal ob CEO-Videos, ein Imagefilm oder Werbevideos realisiert werden. Jede Erfahrung ist die Summe der Arbeit einer Vielzahl von Personen. Erst durch den Abgleich mit anderen Blickwinkeln wird die eigene Erfahrung von der Subjektivität befreit und richtig wertvoll.

Talent

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoTalent hat man, oder man hat es nicht. Talent hat nichts mit Gerechtigkeit oder Kompetenz im eigentlichen Wortsinn zu tun. Talent lässt sich nicht durch demokratische Abstimmungen bestimmen oder als Ehrenamt vergeben. Eine der wahrsten Definitionen für den Begriff Talent stammt vom alten Goethe: Das Talent des Künstlers, so der Dichterfürst, sei die Macht, „Unaussprechliches“ zu schaffen.

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und VideoAuch wenn Ed Wood und viele krude B-Movies heute Kult sind, unaussprechlich an diesen Werken ist nur eines: die Absenz von künstlerischem Talent. Was bei Attack of the Lederhosen-Zombies als durchgeknallte Unterhaltung durchgehen mag, bewirkt im Genre Auftragsfilm das Gegenteil: der  Zuschauer spürt bei Filmen, die vom Regisseur „zusammengenagelt“ und vom Editor im Schnitt zu einer Handlung verschraubt wurden sofort die Intention des Absenders. Und quittiert den talentfreien Angriff auf seine Geldbörse und seine Intelligenz mit dem stärkst möglichen Mittel des Konsumenten: der Verweigerung.

Know-How

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und Video Je kontrollierter ein Kommunikationswunsch transportiert werden soll, desto grösser ist die Zahl der dazu notwendigen Spezialisten. Ein Spezialist, der Name sagt es, kann kein Generalist sein. Der Generalist der (theoretisch) alles wissen würde, wäre kein Generalist mehr, sondern ein Spezialist. Ungeachtet ob Spezialist oder Generalist bleibt sich bei professionellen Exponenten beider Gattungen eines gleich: das Bewusstsein, dass man nicht alles wissen kann. Erst die Fähigkeit zum Eingeständnis vor sich selbst und der Welt, dass man nicht Superman, sondern auch nur ein Mensch ist, zeigt den professionellen Umgang mit Know-how und Kompetenzen. Denn: Wissenslücken, die aktiv benannt werden, lassen sich füllen.

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und Video Zeigt sich Unwille, etwas Neues zu lernen (oder noch schlimmer: dominiert die Unfähigkeit, seinen Wissensstand upzudaten) wird es schwierig. Technische Revolutionen haben die Branche seit jeher wie Tsunamis überrollt (vom Stummfilm zum Tonfilm, vom Analogfilm zum Video zum Digitalvideo). Die Disruption ist längst noch nicht abgeschlossen. Sich konstant neues Know-how zu erarbeiten wird auch in der Bewegtbildkommunikation zum überlebenswichtigen Erfolgsrezept. Wer anderes behauptet kann entweder Hellsehen oder hat wenig Verstand. Im Autorenfilm wurde lange Jahre über die von einem Journalisten aufgestellte Behauptung „arm filmt gut“ gestritten. Unstrittig ist: Dumm filmt nicht gut, sondern nach dem Zufallsprinzip. Und dafür sind die meisten Filme zu teuer.

Technikkompetenz

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und Video So faszinierend und erstaunlich die Innovationen sein mögen: Technik ist im Film, wie der Text in der Sprache, immer nur das Mittel zum Zweck. Ohne Zweifel braucht Technik ein gerütteltes Mass an Kompetenz. Allerdings: Die Technik dient zuerst einmal zum Transport von Informationen und Emotionen. Für den Einsatz eines technischen Produktionsmittels gibt es bei guten Produzenten und Produktionsfirmen daher immer einen erklärbaren, nachvollziehbaren Grund.

Die Kompetenz zur Erkennung von Inkompetenz bei Film und Video Wer nur über Kompetenz im technischen Bereich und über die Möglichkeiten der Technik spricht, fokussiert als Produzent auf die falschen Schwerpunkte. Zugegeben: es gibt Videos und Wirkungsziele, die nur dank der Technik umsetzbar werden. Fundiertes Wissen in diesem Bereich ist erwünscht, erforderlich und notwendig. Schließlich müssen Bilder und Ton nach der Bearbeitung digital bearbeitet werden, von den Möglichkeiten der 2D- und 3D-Animation gar nicht zu sprechen. Wer aber als Produzent sein Technikwissen zu sehr in den Vordergrund stellt, der riskiert schnell einmal den Verdacht, dass er dahinter fehlendes inhaltliches oder dramaturgisches Wissen verbergen will. Netflix-Kameramann Adrian Teijido erklärte in einem lesenswerten Interview: „Der beste Rat, den ich einem jungen Kameramann auf Augenhöhe geben kann ist: Versuche Dich von der Technik zu befreien und denke als Storyteller.“

Fairerweise muss allerdings auch gesagt werden: nicht nur im Bereich der Filmformate und Videoformate herrscht in der Kommunikation mit Film und Video ein babylonisches Kunterbunt an Begrifflichkeiten. Insofern gilt nicht nur für den Film an sich, sondern auch für die mit der Herstellung von Film und Video verbundenen Prozesse und Wörter: Nachfragen und genau hinsehen verhindert Missverständnisse.


Der diesem Artikel beigefügte AUDIO-PODCAST wurde auf Basis des Textes automatisiert ohne menschliches Zutun erstellt. Wir bitte bei allfälligen Sprachfehlern der Computer-Stimme um Nachsehen.

In eigener Sache: Filmpuls ist neu von Facebook als News-Publisher gelistet. Ab sofort werden neue Filmpuls-Artikel für Facebook-Nutzer (nur) auf Mobilgeräten als „Facebook Instant Articles“ dargestellt. Mit diesem Schritt wurde der aktuelle Software-Update Q1/2017 für Filmpuls erfolgreich abgeschlossen

Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel Begriffe und Berufsbezeichnungen in der deutschen Sprache auf die männliche Form reduziert. | © Foto und Grafik-Vector: Freepik | © Artikel: Filmpuls

Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für sequentielles Storytelling. Er ist CEO der 1947 gegründeten Condor Films AG, promovierter Jurist und Inhaber eines MBA der Universität St. Gallen HSG.

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