Parameter: Die Kalkulation vor der Kalkulation für Film und Video

Filmbudget: Teil 1 von 3

Parameter: Die Kalkulation vor der Kalkulation für Film und Video Im Zahlen-Cockpit der Filmproduktion

Das griechische Wort Parameter bezeichnet eine spezielle Gruppe von Variablen einer Gleichung. Bei Film und Video führt das Lösen der Gleichung zum angestrebten Endresultat. Die Variablen auf dem Weg dazu sind beispielsweise das Budget, die Qualität oder die Termine. Für die Kalkulation von Filmprojekten spielt der Umgang mit Variablen eine erfolgsrelevante Rolle.

Parameter beeinflussen im Filmgeschäft nicht nur das Endresultat sondern auch sich gegenseitig. Wie Auftrieb und Schwerkraft für ein Flugzeug in der Luft, halten sie ein Projekt in der richtigen Balance. Eckdaten und Annahmen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Während die Eckdaten begrifflich für einen fixen Wert stehen, sind Parameter flexibel. Das macht sie speziell und wertvollErst diejenigen Annahmen, die verbindlich festgelegt und definiert wurden, werden auf Basis der für diesen Artikel verwendeten Definition zu Eckdaten. Verbindlich können aber nicht Eckdaten, sondern auch die Summe variabler Annahmen sein. Dies wenn sich diese innerhalb einer einheitlichen Zahlenkategorie befinden. So kann beispielsweise innerhalb eines Filmbudgets das „Total“ (die Endsumme) verbindlich von einem Kunden vorgegeben sein. Bei der Zuordnung der einzelnen Budgetposten zum Production Value im Film kann gleichzeitig eine gewisse Flexibilität herrschen.

Dreiteilige Artikel-Serie zum Budgetieren von Film und Video

filmkalkulation-parameter-filmpulsIn der professionellen Filmbudgetierung werden drei Arbeitsschritte unterschieden:

Dieser erste Artikel der Filmpuls-Serie zur Kalkulation für Film und Video behandelt die Parametrisierung und zeigt mit einem Beispiel, wie ein professionelles Filmbudget aufgebaut sein kann.

Begriffe und Fachwörter

Budget und Kalkulation werden in diesem Artikel gleichrangig verwendet. Im Tagesgeschäft vieler Film- und Videoproduktionsstätten wird die Bezeichnung „Kalkulation“ oft für die Erstellung des sog. Costings (Realkosten, internes Budget) verwendet, während das Wort „Budget“ das Prizing (Preis/Kundenbudget) bezeichnet.

Zur Unterscheidung und Handhabung von Handlungskosten, Gewinn und Markup und zum Lesen von Kalkulationen gibt die Artikelserie über Filmkosten und Filmbudget Auskunft. Infos zum Prizing finden sich im Filmpuls-Beitrag Was kostet ein Imagefilm.

Recherche und Analysen sind ein wesentlicher Teil der Parametrisierung und Budgetierung eines Vorhabens im Bereich Film und Video. Sie werden während allen Arbeitsschritten (1-3) mehrfach erbracht, und darum nicht als einzelner Bereich ausgewiesen.

Beispiel für eine Filmkalkulation

Mit Parametern kann nur sinnvoll umgegangen werden, wenn zuerst einmal für jeden von ihnen ein Wert gesetzt wird. Sinnvollerweise entspricht dieser dem aktuellen Wissensstand bei Projektbeginn und/oder Auftragserteilung zu einem Filmprojekt. Die dazu notwendigen Basisdaten wurden meist schon von Kundenseite auf Basis eines Filmkonzept definiert (siehe dazu auch den Artikel Briefing Imagefilm und die dazugehörige Filmpuls-Checkliste), weitere Eckdaten sind von der Filmproduktion selbst zu erarbeiten.

Die Basisdaten können in der Filmkalkulation beispielsweise wie folgt aufgeführt werden wenn ein Drehbuch oder Storyboard für einen Film oder Video bereits vorliegt:

1. Basisdaten
Arbeitstitel[Filmtitel]
Medien/Einsatzgebiet[Bsp: TV]
Einsatzdauer[Bsp: 1 Jahr]
Erster Einsatz[Bsp: 1. Januar 2017]
Länge[Bsp: 30 Sekunden]
Versionen[Bsp: 1 Version]
Directors Cut[Bsp: Nein]
Sprachversionen[Bsp: Deutsch]
Untertitel[Bsp: Nein]
Regisseur[Bsp: Tim Talent]
Kameramann[Bsp: Leo Linse]
Drehtage[Bsp: 2 Tage]
Reisetage[Bsp: keine]
Wetterabhängigkeit[Bsp: Ja]

Anschließend gilt es, sich über den Umfang der Drehvorbereitung (Preproduction) klar zu werden. Die dazu notwendigen Annahmen müssen und sollten in der Regel von der Filmproduktion oder Videoproduktion erarbeitet werden:

2. Preproduction
Locationscouting (Suche Drehorte, wenn nicht schon bestehend)[Bsp: inbegriffen]
Vorabbesichtigung der Drehorte durch Regie[Bsp: 1 Tag]
Vorabbesichtigung Drehorte mit Kameramann und Oberbeleuchter[Bsp: Ja]
Storyboard (durch Produktion unter Beizug Regie zu erstellen)[Bsp: Ja]
Casting der Darsteller und Statisten durch Produktion[Bsp: Ja]
Preproduction Meeting (PPM) mit Kunde[Bsp: Ja]
Fitting (Auswahl der Kostüme mit Kunde)[Bsp: Ja]

Sind im Konzept, Drehbuch oder Storyboard auch Darsteller und Statisten vorgesehen, gilt es auch für diese erste Annahmen zu treffen:

3. Cast Buyouts
Anzahl Darsteller (Cast)[Bsp: 2 Personen]
Anzahl Featured Extras[Bsp: 4 Personen]
Anzahl Extras[Bsp: 5 Personen]
Sonstige[Bsp: Nein]
Buyouts in Offerte inklusive?[Bsp: Ja]
Umfang Buyout[Bsp: 1 Jahr TV + Internet, D/A/CH]
Reisen und Hotel[Bsp: Inbegriffen]

Ebenso ist auch eine Annahme zu treffen, wie das anstehende Projekt mit Talent (Schlüsselpersonen) und hinsichtlich der Teamgrösse besetzt werden muss um die notwendigen Ziele erreichen zu können:

4. Key Talent / Crew
Gage für Regie[Bsp: Inbegriffen]
Gage für Kameramann[Bsp: Inbegriffen]
Crew aus dem Inland[Bsp: Inbegriffen]
Crew aus dem Ausland[Bsp: Nein]
Spezielles[Bsp: inklusive Stuntman]

Ansagen für den Umfang und die Art der benötigten Technik ergeben sich aus dem Drehbuch oder Storyboard und aus den Wünschen des Kameramanns und weiterer Head of Departments:

5. Equipment/Technik
Kamera[Bsp: Inbegriffen]
Drehformat[Bsp: HD]
Drehmaterial[Bsp: Digital 4K]
Spezial-Objektive[Bsp: 40mm, 45mm + 60mm]
Ton[Bsp: Ja]
Lichtpaket[Bsp: Inbegriffen]
Grip-/Bühnenmaterial[Bsp: Inbegriffen]
Stromanschluss/Generator[Bsp: Inbegriffen]

Drehbuch oder Storyboard geben auch Auskunft über die Drehorte, die ebenfalls für den Start definiert werden:

6. Location/Studio
Innenlocation[Bsp: 2, Wohnung und Küche]
Aussenlocation[Bsp: Einfahrt zu Einfamilienhaus]
Studio[Bsp: Inbegriffen]
Spezielles[Bsp: inklusive Reinigung]

Werden Filmsets und Personen ausgestattet, müssen auch hierzu Annahmen getroffen werden:

7. Ausstattung
Set Dressing[Bsp: Inbegriffen]
Kostüm und Styling[Bsp: Inbegriffen]
Spezielles[Bsp: Miete mit Rückgabe]

Filme machen heißt nicht nur Entscheidungen zu fällen. Ein Film oder Video will immer auch organisiert werden. Ist der dazu entsprechende Aufwand nicht im Deckungsbeitrag, dem Markup oder den Preisen eingespeist, ist der dazu geschätzte Aufwand in der Kalkulation vorzusehen:

8. Logistik
Mobiltelefone[Bsp: nur Inland (Flat Fee)]
Datentransfer[Bsp: Inbegriffen]
Produktionsfahrzeuge[Bsp: 3 Fahrzeuge]
Catering / Mahlzeiten[Bsp: Filmcatering vor Ort]
Reisen[Bsp: Inbegriffen]
Hotel[Bsp: Inbegriffen]
Versicherungen[Bsp: Inbegriffen]
Production Service[Bsp: Nein (nicht erforderlich)]
Sublieferanten[Bsp: Nein (nicht erforderlich)]

In der Montage entsteht der Film nochmals neu. Dieses Wissen gehört zu den Grundlagen der Filmproduktion. Die Bildbearbeitung und die Tonpostproduktion ist ein Universum für sich. Sie wird darum in diesem Artikel nicht im Detail aufgeschlüsselt sondern in Kategorien zusammengefasst:

9. Postproduktion
Bildpostproduktion[Bsp: Inbegriffen]
Tonpostproduktion[Bsp: Inbegriffen]
Reisen & Hotel[Bsp: nicht notwendig]
Sprecher[Bsp: 1 Sprecher, Sprache: D]
Umfang Nutzungsrechte Sprecher[Bsp: TV + Internet, D-A-CH]
Musik[Bsp: Komponist]
Umfang Nutzungsrechte Musik[Bsp: TV + Internet, D-A-CH]
Sublieferanten[Bsp: Nein (nicht erforderlich)]

Das Setzen der Parameter

Um die Annahmen für ein Projekt optimal zu setzen (ein „richtig“ gibt es dabei selten) ist es zuerst notwendig, für die Videokalkulation Annahmen zu treffen. Diese sind entweder das Resultat einer bereits erfolgten Recherche und Fakten (eingeholte Offerte, beispielsweise für den gewünschten Drehort) oder von Erfahrungswerten. In dieser ersten Runde der Kalkulation werden die Parameter gesetzt und solange abgeändert, bis das Total der Offerte dem gewünschten Resultat entspricht. Erst dann, ab diesem Zeitpunkt, beginnt der zweite und wichtigere Teil des Setzens von Variablen in Film und Video: das Finetuning hinsichtlich des Production Value.

Parametrisierung, das optimale Setzen von Variablen, bedeutet letzten Endes also nichts anderes, als mit den Variablen eines Projekts den Production Value durch die bestmögliche Gewichtung aller bekannten und unbekannten Faktoren zu optimieren und zu sichern. Möglich wird dies durch das Erstellen unterschiedlicher Szenarios. Diese werden mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen gegeneinander abgewogen, möglicherweise auch kombiniert und mit neuen Varianten ergänzt. Am Ende dieses Prozesses steht ein Budget für Film und Video, das alle Chancen und Risiken bewusst und kontrolliert auf Basis detaillierter Annahmen (die wiederum auf Analysen und Recherchen beruhen) in sich spiegelt.

Anders formuliert. Die Parametrisierung ist die Gewichtung der Werte innerhalb eines Filmbudgets und damit nicht mehr und nicht weniger als das gezielte Setzen von Schwerpunkten (sog. Production Values) in einem Film- oder Videobudget. Mit den richtigen Annahmen gelingen Punktlandungen. Weitere, ausführliche und ergänzende Informationen dazu finden sich auch im Artikel zum Production Value im Filmpuls.

Forsetzung der Serie zu Kalkulation von Film- und Videobudgets

Eine Tabelle mit Richtwerten für unterschiedliche Filmgenre ist Teil des Artikels Was kostet ein Film in der Rubrik Leserfragen von FILMPULS, die vom Beitrag zur Frage Was kosten Filme? ergänzt wird.

Teil 2 der Serie zur Filmkalkulation behandelt ergänzend zu den Parameter das eigentliche Budgetieren und das Kalkulieren zu Film und Video und präsentiert ein Beispiel für ein Kalkulationsschema. Der abschließende Teil 3 behandelt Analyse und Nachkalkulation.


Im Interesse der Lesbarkeit werden in diesem Artikel nur männliche Berufsbezeichnungen verwendet. © Grafik-Design: Freepik | Grafik-Bearbeitung: filmpuls

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.

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