Regisseur für Film und TV werden – die nackte Wahrheit

Regisseur ist, wer Filme macht

Regisseur für Film und TV werden Etwa so einfach wie eine Karriere als Astronaut: Filmregisseur

Es gibt nur wenige Positionen beim Film, die so begehrt sind wie Regisseur. Viele Wege führen nach Rom. Für die Regie bei Film und Video gilt das nicht, auch wenn die halbe Welt das Gegenteil behauptet. Die nackte, brutale Wahrheit lautet: es gibt überall auf dieser Welt nur einen einzigen Weg dazu. Und dieser Weg ist hart, verdammt hart. FILMPULS erklärt, wie man im Regiestuhl landet.

Wo sich Wunschdenken, Fehlinformationen und Mythen treffen, bleibt die Wahrheit oftmals auf der Strecke. Und die Unterhaltungsindustrie trägt das ihre dazu bei. Wer es geschafft hat, erzählt kaum öffentlich, ja oftmals nicht einmal im Freundeskreis, wie entbehrungsreich und verzweifelt der Weg an die Spitze wirklich war.

Ausbeutung? Existenzängste? Kaputte Beziehungen weil man nur auf die Arbeit fokussiert war? Fehlanzeige. Man wurde entdeckt, berühmt und wollte doch eigentlich ganz bescheiden nur eines: gute Filme machen. Nur Nestbeschmutzter beißen die Hände, denen sie das Futter verdanken. Auch wenn das Business knüppelhart ist, es heißt noch immer Showbusiness und es wird gelogen, dass sich die Balken biegen.

Regisseur: Der Mythos

Viele junge Filmemacher und deren Eltern sind überzeugt, man müsse nur die richtige Filmschule auswählen, die Aufnahmeprüfungen bestehen und die Ausbildung absolvieren und schon stünde einer Filmkarriere nichts mehr im Weg. Das ist falsch. Nicht nur darum, weil Regisseur kein Beruf ist, sondern eine Berufung. Natürlich bedingt das Handwerk der Regie sehr viel Know-how, natürlich ist ein gutes Netzwerk im späteren Leben als Filmemacher unabdingbar.

Aber sowenig die meisten Schauspieler auf der Strasse entdeckt und am Tag danach in einem Blockbuster die Hauptrolle bekommen, kann der Absolvent einer Filmschule nach dem Ende der Ausbildung wie in anderen Berufen in eine Produktionsfirma marschieren, um dort als Regisseur einen Film zu machen.

Vor einigen Jahren wurde in den USA zum großen Ärger vieler Filmschulen eine Studie veröffentlicht, die untersuchte wie viele Absolventen pro Jahr erfolgreich die Regie-Ausbildung beenden und wie viele dieser Absolventen nach drei Jahren noch in der Filmindustrie unterwegs waren. Es waren ganze 5%, wobei als „Beruf“ beim Film jede Tätigkeit innerhalb der Branche erfasst wurde, also auch Assistenzfunktionen, die als persönlicher Assistent in den USA gerne auch einmal Blumen kaufen, Auto putzen oder andere Hilfsarbeiten umfassen können.

Für die Filmschulen ist das ein Dilemma. Keine Schule, kein Professor und Lehrer kann es sich leisten, sich mutwillig überflüssig und arbeitslos machen. Lieber macht man den potentiellen Schülern und deren Eltern, welche in den USA die teilweise sehr hohen jährlichen Schulgelder tragen müssen, den Mund mit großen Namen von Stars wässrig, die vor einem Vierteljahrhundert an derselben Schule waren und es geschafft haben.

Wie beim Spielen von Lotto dominiert der Wille zum Selbstbetrug. Man könnte ja zu den 5% gehören. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie viele Schüler es nie bis zum Sunset Boulevard geschafft haben, wird von keiner Schule kommuniziert.

Tatsache ist: Noch nie wurde ein Regisseur für einen Film oder ein Video verpflichtet, weil er ein Abschlusszeugnis einer Filmschule vorlegen konnte.

Der einzige Weg

Der Weg zur Regie führt immer über die Qualität des eigenen Showreels, also über die Filme, die man bereits gedreht hat. Wer kein Showreel hat, ist kein Regisseur. Daran führt kein Weg vorbei. Ob man die Filme selbst mit Freunden dreht und sich als Learning by doing das dazu notwendige Wissen aneignet, oder ob dies im Rahmen der Ausbildung einer Filmschule, spielt keine Rolle.

Der einzige Weg besteht darin, Film zu drehen und Erfahrung zu sammeln. Solange, bis man mit seinen Film belegen kann, was man kann. Agenten und Produzenten, ebenso Produktionsfirmen, suchen nicht in erster Linie Talente, die sie aufbauen können. Sie suchen jemand, der für eine konkrete Aufgabenstellung, ein konkretes Projekt, das richtige Profil hat. Dieses Profil muss belegt werden. Durch das Showreel. Ohne Showreel ist das breiteste Netzwerk für die Füchse. Ohne Showreel nützt die höchste Sozialkompetenz nichts.

Vorschaubild
Interview mit Tom Tykwer
Berufsbild Regie für Film und TV werden die nackte Wahrheit

In den Augen von Produzenten ist die Regie nichts anderes als Problemlöser. Das Problem lautet: Wer kann mir diesen Film so erzählen und auf die Leinwand bringen, dass der Film später den größtmöglichen Erfolg hat? Wer bringt für dieses Projekt genau diese spezifischen Eigenschaften mit, die das Drehbuch, die Schauspieler, die Story noch stärker und unwiderstehlicher machen?

Dieses Vertrauen muss belegt werden. Worte alleine reichen dafür nie. Wer wenn nicht die Produzenten wüsste am Besten und aus eigener Erfahrung, dass Worte und Taten unterschiedliche Sprachen sprechen. Ohne überzeugendes Showreel läuft nichts.

Manchmal reicht es, für einen ersten Spielfilm-Deal das eigene Talent mit einigen Kurzfilmen glaubhaft belegen zu können. Bei anderen Projekten wird der Produzent sehen wollen, wie man als künstlerischer Leiter in früheren Werken mit der Länge von 90 Minuten umgegangen ist.

Dank digitaler Tools lassen sich heute Filme einfacher erstellen denn je. Filmwissen und Know-how sind frei zugänglich. Die Analyse eines Films geht nahezu spurlos am studentischen Geldbeutel vorbei. Wer früher einen Film im Detail erfassen und verstehen wollte, wurde der beste Freund des Kinobetreibers. Erstmals den Film aus dem Bauch heraus mit freiem Kopf im Kino ansehen. Dann nochmals, um die Story und Erzählweise zu verstehen. Bei der dritten Vorstellung war die Schauspielerführung an der Reihe. Beim vierten Durchgang die Montage, beim fünften Kinobesuch die Musik, Sound Design und Tonspur.

Eine Tätigkeit bei einer Produktionsfirma mag mithelfen, die Branche kennen zu lernen. In den Regiestuhl kommt man damit nicht. Allenfalls qualifiziert man sich so bei guter Leistung über die Jahre für die Funktion der Regieassistenz.

Das Drehbuch als Lockvogel

Viele Regisseure versuchen, sich als Paket mit einem „Stoff“ (Drehbuch) im Kampf um den ersten Job besser zu positionieren. Entweder weil sie das Drehbuch als Autor selbst geschrieben haben, oder sich die Rechte daran gesichert haben.

Belegt ist das Beispiel von James Cameron (Avator, Titanic), der das Drehbuch von Terminator selbst schrieb und damit in Hollywood hausierte. Viele renommierte Produktionsfirmen wollten das Drehbuch kaufen. Niemand wollte James Cameron für die Regie verpflichten. Cameron blieb hart. Schließlich brachte er mit vier unbekannten Produktionsfirmen, die wenig zu verlieren hatten, die für seinen Spielfilm notwendigen Mittel zusammen und sicherte sich seinen Platz auf dem Regiestuhl. Der Rest ist Geschichte.

Ein Drehbuch als Geisel und Mittel zur liebevollen Erpressung kann, wenn überhaupt, nur dann gelingen, wenn die Qualität des Drehbuchs absolut begeistert. Gekoppelt an ein brillantes Drehbuch ungewöhnliche Forderungen stellen zu können, gelingt selbst den renommiertesten Autoren nur im Ausnahmefall.

Zusammengefasst

Wie lernt man das Handwerk der Regie? In dem man Filme macht. Dadurch, dass man andere Filme ansieht und wie ein Chirurg analysiert und Machart und Struktur hinter der Struktur verstehen lernt. Und vor allem, im dem man ein eigenes Leben lebt, seinen Weg geht und lernt, daraus für sein Schaffen zu schöpfen.

Regisseur Daniel Schmid (*1941-†2006) antwortete einst einem besorgten Vater, der seine achtzehnjährige Tochter mit seiner Hilfe von einer Karriere beim Film abbringen wollte: „Wer zum Film will und für den Film gemacht ist, lässt sich von nichts und niemanden davon abhalten„.


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Grafik und Artikel Filmpuls

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.
Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*