Storytelling im Imagefilm – Die 10 wichtigsten Punkte

Checkliste

Mit 10 Punkten zu einer besseren Story im Imagefilm Exklusive Checkliste

Storytelling im Imagefilm ist keine einfache Sache. Der hier vorliegende Artikel (Teil 2) skizziert die wichtigsten Aspekte des Storytelling im Rahmen der Bewegtbild-Kommunikation mit Film und Video mit Schwerpunkt Imagefilm. Er erklärt, welche 10 Punkte für das Erzählen von Stories mit Imagefilm, Produktfilm oder Online Videos wichtig sind.

Auftragsfilme entscheiden sich immer wieder dazu, eine Geschichte erzählen zu wollen. Diese vierteilige Serie beleuchtet die wichtigsten Treiber und Entscheidungsgrundlagen hinter diesem Entscheid. Teil 1 hat erklärt, warum der Zwang zur Geschichte für gutes Storytelling nicht immer sinnvoll ist. 

Ist der Entscheid eine gute Story erzählen zu wollen erst einmal gefallen, folgt für gute Auftragsfilme das kreative Ringen bei der Drehbuchentwicklung. Die Verantwortung für die dramaturgische Toolbox und für die mit einem Genre einhergehenden Kodizes liegen dabei in erster Linie beim Produzenten. Trotzdem sollte auch auf Seite des Auftraggebers ein Minimum an Wissen zur Kontrolle und Beurteilung der Kreation vorhanden sein.

Storytelling im Imagefilm: die Checkliste

Dieser Beitrag nennt die wichtigsten 10 Punkte für erfolgreiches Storytelling im Auftragsfilm. Die Checkliste soll sowohl die erzählerische Qualität verbessern helfen, wie auch bei der Evaluation der passenden Filmagentur unterstützen.

1. Content

Der zu kommunizierende Inhalt muss sich für eine Geschichte eignen. Anders ist Storytelling im Imagefilm nicht möglich. Das ist der Fall, wenn in der Geschichte eine Entwicklung (vorher/nachher) stattfinden kann und dazu Hürden überwunden werden. Situationen sind kein Synonym für eine Geschichte. Warum Situationen nicht automatisch eine Story ergeben erklärt der Artikel Filmdramaturgie für Einsteiger. Content der sich für Storytelling anbietet ist oftmals auch daran erkennbar, dass er Parallelhandlungen und (auch aus der Literatur bekannten und bewährten) Motiv-Verdoppelungen zulässt. Besonders bei einem Motivationsvideo steht und fällt der Erfolg mit der Geschichte. Ist sie unglaubwürdig (siehe Artikel zum CSI-Check für gutes Storytelling), scheitert der Film. Wigald Boning sagt dazu: »Echte Kreativität gedeiht nur bei völliger geistiger Freiheit!«

2. Zielpublikum

Das Grundmuster der Geschichte sollte eine Verbindung zur Lebenswelt des Zielpublikums besitzen. Damit wirkt eine Geschichte im Unbewussten weiter und reifen die Erkenntnisse über den Film und die Geschichte hinaus. Besonders bei CEO Videos ist das Wissen um die Art, das Vorwissen und mögliche Verhaltensweisen des angestrebten Publikums entscheidend für den Erfolg.

3. Genre

Das Genre ist die Klassifikation einer Geschichte nach der Darstellungsform. Jedes Genre besitzt seine Eigenheiten. Das Publikum ordnet eine Geschichte meist nur unbewusst einem Genre zu. Es spürt aber trotzdem deutlich wenn die Grenzen eines Genres verlassen werden.  Genres existieren im Spielfilm (Western, Abenteuerfilm, usw.), aber auch im Auftragsfilm (Reportage, Dokumentation etc.). Eine besondere Herausforderung stellt in allen filmischen Disziplinen der sog. Genre-Mix dar. Viele Filme scheitern an der unbewussten Vermischung unterschiedlicher Genre.

4. Struktur

Wenn die Geschichte ein Mensch wäre, so bildet die Struktur das Skelett und ist die Dramaturgie den Muskeln gleichzusetzen. Die Struktur einer Geschichte ergibt sich einerseits durch das gewählte Genre und andererseits durch gesellschaftlich und kulturell geprägte Konventionen. Der erfahrene Autor ist sich stets bewusst, dass ein Skelett unterschiedlichst ausgestaltet sein kann. Ob als Zweibeiner, Vierbeiner, Tausendfüssler oder sogar Fisch: es gibt unzählige Arten wie Energie in strukturierte Bewegung umgesetzt werden kann und ebenso unzählige legitime Formen, wie eine Geschichte strukturiert werden kann.

5. Dramaturgie

Erfolgreiches Storytelling setzt abgestimmt auf den Aussagewunsch und auf das Zielpublikum im Lauf einer Erzählung mehr als nur ein einziges dramaturgisches Mittel ein. Darin unterscheiden sich insbesondere Imagefilme und Produktfilme oftmals (unnötigerweise) vom Werbefilm. Ziel der Dramaturgie ist es, das Erlebnis des Zuschauers so intensiv wie irgendwie nur möglich werden zu lassen. Genau so wie die Wahl der Struktur erfordert auch der Einsatz der dramaturgischen Mittel vom Autor die Kombination von handwerklichem Wissen, Talent und Erfahrung. Was passieren kann, wenn dies nicht der Fall ist, zeigt der FILMPULS Artikel Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme der Welt.

6. Dialoge

Im Jahr 1927 wurde der Tonfilm erfunden. Trotzdem gibt es im Auftragsfilm nach wie vor zahlreiche Werke, die auf sprechende Darsteller und damit auf Dialog verzichten. Als Ersatz wird meist eine Erzählstimme (Off-Kommentar) gewählt. Damit wird die Herstellung  von Sprachversionen für unterschiedliche Zielmärkte vereinfacht. Die Aussparung von Dialog bedeutet aber auch Abstraktion und damit Verzicht auf Authentizität und Emotionen und damit gute Auftragsfilme.

7. Filmlänge

Eine Geschichte nimmt den Zuschauer an der Hand und macht mit ihm eine Reise. Reisen brauchen Zeit. Sofern es das Filmbudget erlaubt wird die Filmlänge darum meist mindestens fünf Minuten und mehr dauern. Reicht die Zeitvorgabe bedingt durch Distributionskanäle (Stichwort Mediabudget) nicht für eine äußere Reise, besteht die Option, mit dem Film einen Impuls für eine innere Reise zu setzen. Für Kreation und Drehbuchautor bedeutet das die größtmögliche Herausforderung. Je kürzer das Zeitfenster desto außergewöhnlicher und stärker muss die zündende Idee aus Sicht des Zuschauers sein damit sie jenes Echo auszulösen vermag, das dem Zuschauer lange nach Filmende noch im Kopf nachhallt.

8. Darsteller

Alfred Hitchcock soll der Meinung gewesen sein, dass zwischen Schauspielern und Dekor kein Unterschied bestehe. Wer nicht Hitchcock ist, sollte folgendes bedenken: Filme transportieren Emotionen und Informationen. Emotionen entstehen durch Identifikation. Es ist für den Zuschauer deutlich einfacher, sich mit einem Menschen zu identifizieren als mit einem Gegenstand. Darum braucht der Film glaubhafte Gesichter. Es mag meisterhafte Laiendarsteller geben (hinter denen meist ein meisterhafter Casting-Agent oder ein meisterhafter Regisseur steht). Wer kein Risiko will, wählt die Zusammenarbeit mit Profis.

9. Musik

Was die Kamera für die Augen ist, sind Komposition und Sound Design für die Ohren. Filmmusik bedeutet nicht, bewegte Bilder mit Musik zu unterlegen. Sondern die Geschichte durch Musik zu verstärken. Ein guter Komponist versteht genau so viel von Dramaturgie, Struktur und Genre wie vom musikalischen Handwerk. Wie der Kameramann denkt er sequentiell. Und wie beim Umgang mit der Kamera kann auch bei der Musikkomposition der vereinfachte Zugang zu ausgefeilter digitaler Technik das erforderliche Talent nicht ersetzen.

10. Budget

Am Anfang und am Ende jeder Geschichte steht im Auftragsfilm ein Budget. Wer beim filmischen Erzählen einer Geschichte auf Erfahrung und Talent setzt wird anfangs eine höhere Investition tätigen müssen als bei der Verpflichtung von Einsteigern. Weil aber auch beim Film  – wie bei jeder Disziplin der Kommunikation –  nicht nur wichtig ist was gesagt wird, sondern noch wichtiger ist, was (beim Zuschauer) ankommt, macht sich ein für die Aufgabenstellung adäquates Budget schnell bezahlt.


Ob selbst-ähnlich kommuniziert wird (siehe dazu den Filmpuls-Beitrag „Warum gute Auftragsfilme leuchten und schmerzen müssen“) oder ob zum Mittel der Fiktion und Inszenierung gegriffen wird: »Storytelling im Imagefilm heißt nichts anderes, als eine Geschichte gut zu erzählen!« (Zitat Jürg Ebe).

Teil 3 dieser Serie (noch nicht publiziert) wird Stichworte in einer Checkliste zusammenfassen. Teil 4 (noch nicht publiziert) zeigt zum Abschluss der vierteiligen Serie anhand von Beispielen, wie und wo sich der Auftragsfilm vom Spielfilm inspirieren lassen kann.


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Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für Kommunikation mit Film und Video. Der gelernte Jurist und Absolvent eines MBA der Universität St. Gallen arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren im Mediengeschäft und ist seit 2002 Geschäftsführer der Condor Films AG.

1 Comments

  1. Punkt 11: den richtigen Produzenten finden.

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