5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter beim Film

Spiegelsand

5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter beim Film 5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter beim Film

Wenn der Mensch einmal kann, was er für die Ausübung seines Berufs und seiner Funktion können muss, entscheidet nur mehr das Mass der verfügbaren eigenen Energie über Erfolg und Misserfolg. Wer diese Karriere-Stufe erreicht hat, tut gut daran, ab und zu auch über den Tellerrand hinauszublicken und sich ein übergeordnetes Referenzsystem zur Eigenkontrolle zu suchen. Das gilt auch für die Arbeit mit Film und Video. Dieser Artikel nennt 5 Todsünden, die zu vergegenwärtigen keinem Producer und keinem Produktionsleiter schaden kann.

Producer und Produktionsleiter zu sein ist ein anspruchsvoller Job, der viele Abenteuer verspricht und in der Regel meist nur auf abenteuerlichen Wegen und nicht ohne Hürden und Umwege erreicht werden kann. Wer sich aber einmal eine Leitungsfunktion in einer Filmproduktion erarbeitet hat und mit gutem Gewissen feststellen kann, dass er oder sie für diesen Beruf gemacht ist, entdeckt die Faszination des Filmemachens täglich aufs Neue.

Wenn der Beruf die Berufung ist, Freude macht und wie im Film gleichermassen von Faszination und Leistungsdruck dominiert wird, droht schnell einmal das Wesentliche vergessen zu gehen. Wesentlich ist nicht nur das „Produkt“, der Film, sondern sind auch die Menschen, die an der Filmherstellung beteiligt sind. Für erfahrene Produzenten eine banale Feststellung, deren Selbstverständlichkeit nicht weiter diskutiert werden muss.

Dass diese Menschen aber von einem Menschen angeleitet und geführt werden, der auf seiner Visitenkarte Producer oder Production Manager stehen hat, und der sich Kraft seiner Verantwortung meist mehr auf andere Dinge als auf die eigenen Führungskompetenzen konzentriert, vergessen Produktionsleiter und Producer gerne. Nicht jeder Producer und Produktionsleiter blickt gerne in den Spiegel der Selbstreflexion. Und viele Spiegel im Umfeld eines Producers oder Produktionsleiters erzählen, anders als der Spiegel bei Schneewittchen, Märchen.

5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter

5 Todsünden? Nur 5? Es geht in diesem Artikel nicht um schlechte Filme und die Sünden, die zu diesen führen (deren Anzahl lässt sich nicht in vernünftigem Umfang auflisten). Sondern um die Person des Producers und Produktionsleiters, um Macht, Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis und Ego. Schlechte Filme lassen sich im Filmgeschäft nicht vermeiden. Anders ist es bei schlechten Gewohnheiten und hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten. Wer diese verbessern will, kann sie verbessern.

Sünde 1: Die eigene Position über das Arbeitsergebnis stellen

Im Film gibt es wenig bis nichts geschenkt. Producer und Produktionsleiter haben sich ihre Position über einen langen Weg hart erarbeitet. Ist man beruflich am Ziel und steht auf der Visitenkarte unter dem eigenen Namen endlich die langersehnte Funktion, beginnt einer neuer Abschnitt im Berufsleben. Die ersten Projekte und Jahre wächst man die Position hinein, festigt seine Fähigkeiten und Stellung und geht mit der gebotenen Vorsicht vor. Irgendwann übernimmt die Routine das Ruder. Dann wird es gefährlich. Nicht ohne Grund gilt im Mediengeschäft und nicht nur da:  Was einem Groß macht, macht einem auch wieder Klein. Langfristig als Producer und Produktionsleiter Erfolg hat nur, wer jedes Projekt wie sein Erstes behandelt. Der Zuschauer oder Auftraggeber eines Films oder Videos ist am Ende des Tages nicht am Macher, sondern daran interessiert, ob der Film, also das Arbeitsergebnis des Producers und Produktionsleiters, gut ist.

Sünde 2: Die eigene Beliebtheit über die Verantwortung stellen

Der Umgang mit Macht kann lustvoll sein. Macht macht süchtig. Producer und Produktionsleiter können Wünsche erfüllen. Manchmal sollen sie das auch, ist Nachgeben und Ausgeben von Mitteln für Unvorhergesehenes oder Vergessenes sogar für den Projekterfolg notwendig und macht den Film besser. Wenn damit aber die eigene Beliebtheit statt die Filmqualität sichergestellt wird,  hat der Producer oder hat der Produktionsleiter seinen Beruf falsch verstanden. Filmprojekte entstehen in sogenannten sozio-technischen Strukturen und Clustern. Sozio steht für die soziale, menschliche Kompenente, die zum Funktionieren eine eine („technische“) Infrastruktur und Rahmenbedingungen benötigt. Die Verantwortung auch für diese Struktur liegt beim Producer und Produktionsleiter. Am Ende des Tages wird niemand danke sagen, wenn eine Filmproduktion wegen mangelnder Verantwortung abgebrochen werden muss oder scheitert und der Film dann von niemanden der Beteiligten als Referenz für einen nächsten Job gebraucht werden kann.

Sünde 3: Das Gefühl über die Fakten stellen

Wer Filme macht arbeitet mit Gefühlen. Mit Gefühlen arbeiten kann nur, wer auch selbst zu seinen Gefühlen steht und diese zulässt. Aber Gefühle können einem, gerade bei der meist hochkomplexen Herstellung von Film und Video im Schnittfeld von Projektarbeit, Kommunikationsvorhaben und Kunst, kolossal täuschen. Zahlen und Gefühle sind in der Kommunikation mit Film und Video keine Zwillinge, sondern entfernte Verwandte, die sich immer wieder aufs Neue annähern und schätzen lernen müssen. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben von Producer und Produktionsleiter, Gefühle und Zahlen in Einklang zu bringen. Wer im schnelllebigen Mediengeschäft glaubt, die eigene Erfahrung von gestern sichere die Zukunft, mag dabei ein gutes Gefühl haben, hat aber selten eine Zukunft.

Sünde 4: Die Harmonie über die Konfrontation stellen

Streithähne und Aggressoren schaffen es in der Regel beim Film nicht bis in Führungsfunktionen. Schnurrende Schmusekatzen aber auch nicht. Die meisten Menschen mögen keine Konflikte. Sie finden Konfrontationen anstrengend und weil Konflikte meist Veränderungen bedeuten oftmals sogar schmerzhaft und beängstigend. Das geht vielen Producern und Produktionsleitern nicht anders. Trotzdem entstehen bei fast jedem Filmprojekt und fast jedem Video Situationen, in denen eine Konfrontation unumgänglich ist. Konfrontationen um der Harmonie willen vermeiden ist falsch. Genauso falsch allerdings ist es, sich nach der Konfrontation und Klärung der Situation nicht um die Wiederherstellung der Harmonie zu bemühen.

Sünde 5: Die Unverletzbarkeit über das Vertrauen stellen

Kein Mensch ist fehlerfrei und frei von persönlichen Gefühlen. Wer als Producer oder Produktionsleiter versucht, sich als fehlerfreie Produktionsmaschine zu positionieren, macht damit den größtmöglichen Fehler. Ungeachtet auf welcher Funktionsstufe man sich aktuell im Filmgeschäft befindet: jeder Beteiligte an einer Produktion erlebt Dinge und Vorgänge, die falsch, ärgerlich oder schmerzhaft sind. Stark und vertrauenswürdig ist, wer dazu stehen kann, dass er Fehler macht und nicht unverletzlich ist.5 Todsünden für Producer und Produktionsleiter beim Film

Zusammengefasst

Producer und Produktionsleiter, und nicht nur sie, sollten ihr Ego bei Projektbeginn an der Garderobe abgeben, statt in den Vordergrund zu stellen. Die kollektive Intelligenz der Mitarbeitenden und der Filmcrews ist im Filmgeschäft überdurchschnittlich hoch. Wer lafert statt liefert, wer Producer oder Produktionsleiter spielt, statt ist, der verkennt die Verantwortung seiner Funktion. Er oder sie ist am falschen Ort. Nicht ohne Grund heißt es in der Branche und nicht nur scherzhaft, dass ein Producer und Produktionsleiter, der es allen Recht macht oder recht machen will, nie ein rechtes Filmprojekt zustande bringen wird.


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen für Producer und Produktionsleiter auf die männliche Form reduziert.

© Grafik-Layout: Freepik | Grafik-Bearbeitung: Jonas Pfister

Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für Kommunikation mit Film und Video. Der gelernte Jurist und Absolvent eines MBA der Universität St. Gallen arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren im Mediengeschäft und ist seit 2002 Geschäftsführer der Condor Films AG.

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