Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme dieser Welt

Lass uns mutig sein, sagte der Frosch und sprang in den Ventilator

Top 10 seltsame Auftragsfilme Das größte Problem der Kommunikation besteht in der Illusion, dass sie stattgefunden hat.

Es gibt nichts, was man nicht noch verbessern könnte. Aber auch nichts, was man nicht noch schlechter machen könnte. Die FILMPULS-Serie „Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme der Welt“ zeigt eine Selektion von Unternehmensvideos, die es in sich haben.

Einfach kommunizieren ist kompliziert. Für  Bewegtbild gilt das ganz besonders. Im ersten Teil der Kompilation mit den Top 10 absurder Auftragsfilme präsentieren wir 5 Video Testimonial die verdeutlichen, warum für die Kommunikation mit Film und Social Video gut gemeint manchmal das Gegenteil von gut ist.

Die Top 10: Auftragsfilme der anderen Art

Wenn es einfach wäre, Videofilme zu machen, gäbe es nur wunderbare audiovisuelle Seherlebnisse. Die Realität in der Filmproduktion sieht anders aus!

Das liegt nicht nur an Fragen der Wirkungsäquivalenz oder der Bildwirksamkeit. Oftmals entgleist ein Projekt schon als Filmkonzept oder an der fehlenden Unterscheidung zwischen Innensicht und Außensicht mit Blick auf die zu kommunizierende Aufgabenstellung.

Nachfolgend präsentieren wir den ersten Teil unserer, naturgemäß höchst subjektiven, Auswahl der Top 10 spektakulär missratener Auftragsfilmen, die es in sich haben. Gleichzeitig bitten wir alle, denen wir, ob zu Recht oder Unrecht, auf die Füsse treten und ungewollt zu Ruhm in diesem Panoptikum der Fehlschüsse verholfen haben, um Nachsicht. Für Kritik und Feedback steht die Kommentarfunktion am Ende dieses Artikels offen.

Black and Yellow | Ernst & Young

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FILMPULS sagt dazu:Sektenguru Bhagwan hätte an diesem Video sicherlich beinahe so viel Freude gehabt wie an seiner legendären Rolls Royce-Flotte von 93 Fahrzeugen. So sieht Gleichschaltung der Mitarbeitenden, kombiniert mit liebevollen Zwang zur Hirnwäsche, als Video aus! Wer nicht mitsingt oder -summt stellt fest: Es ist erstaunlich, wie lange sich viereinhalb Minuten anfühlen können. Darum: Rang 1 in unserer Top 10.
Was man daraus lernen kann:Rhythmus alleine kann Dramaturgie nicht ersetzen. Daran ändern kulturelle Unterschiede nichts. Wenn Mitarbeiter sich in einem Testimonial wild begeistert geben (sind sie das in diesem Video wirklich?), gilt es ein besonderes Augenmerk auf die Authentizität zu werfen. Wenn die Absicht hinter der Inszenierung ein Video dominiert, multipliziert dieses statt Begeisterung schnell einmal Verstimmung. Wenn das Video zur internen Motivation gedacht war, hat es nichts auf YouTube verloren. Es ist nicht und ist nie Aufgabe des Zuschauers herauszufinden, an wen sich ein Video richten soll. Der Kunde (besser: der Adressat) ist König.

Yes, We Are Hiring | Kombij Rhinofly

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FILMPULS sagt dazu:Gewissen Argumenten kann man sich nicht verschließen, scheinen sich (die ausschließlich männlichen und unter Triebstau leidenden?) Auftraggeber und Macher dieses Videos aus den Niederlanden gesagt zu haben. Viel mehr gibt es dazu auch nicht anzumerken. Der typische Fall einer Idee, die in der Kreationsphase mit ihrer Unkonventionalität und Originalität (zumindest die Herren der Schöpfung) begeisterte und in der Umsetzung voll in die Hose ging. Oder haben wir das Geschäftsmodell des im Video porträtierten Unternehmens etwa falsch verstanden? Darum: Rang 2 in unserer Top 10 der absurd schlechten Unternehmensvideos.
Was man daraus lernen kann:Ein Konzept für ein Video sollte sein Zielpublikum ernst nehmen (Customer Insights). Darauf muss das Filmkonzept aufbauen und daran muss sich die Umsetzung (Realisation) ausrichten. Subjektive Wahrnehmung ist nicht nur eine Herausforderung mit Blick auf das Zielpublikum, sondern manchmal auch für die Macher. Fotogenität alleine reicht nicht für Sinnhaftigkeit. Einfach klar kommunizieren ist schwerer, als man denken mag.

Microsoft Cortana | Clean Bandit

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FILMPULS sagt dazu:Was passiert, wenn man eine Idee solange schön schleift, bis sie dem kleinsten gemeinsamen Nenner aller Beteiligten entspricht, aber nichts mehr von der Ursprungsidee übrigt bleibt? Man macht damit in der Unternehmenshierarchie sicher nichts falsch. Aber für den Adressatenkreis (hier Jugendliche und junge Erwachsene) auch rein gar nichts richtig. Ungeachtet, wie geschliffen hochwertig das Video produziert wird. (Anmerkung: „Cortana“ von Microsoft ist das Pendant zur virtuellen Sprach-Assistenz „Siri“ von Apple.) Fazit: Rang 3
Was man daraus lernen kann:Mit einem Testimonial (hier die Pop-Formation „Clean Bandit“) eine Fangruppe ansprechen funktioniert nur, wenn man auch in der Art der Ansprache die Tonalität der Zielgruppe ernst nimmt. Die Veröffentlichung des Videos hatte zwei Folgen: Das Zielpublikum lehnte das Video ab. Die Band verlor an Reputation, weil ihre Fans sich in den sozialen Medien reihenweise negativ darüber ausließen, dass ihre Idole sich für ein solches Werk hergegeben hatten. Es gibt viele Todsünden bei der Kreation und Produktion von Film und Video: die Missachtung des Zielpublikums ist eine davon.

Selling is Service, Service is Selling | Once in a Blue Moose

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FILMPULS sagt dazu:Auch wenn wir diesen Souvenir-Shop aus Alaska und die Darsteller des Videos wegen ihrer Herzlichkeit sofort ins Herz geschlossen haben: Was genau soll dieses Video und was soll dieses Video uns sagen? Rang 4.
Was man daraus lernen kann:Genre und die Art der Umsetzung (im konkreten Beispiel: Musical) können die Kernaussage beim Storytelling im Imagefilm soweit in den Hintergrund drücken, dass dieser buchstäblich untergeht und das Publikum nicht mehr erreicht. Interessant ist dieses Video auch darum, weil man dabei fairerweise auch die Frage nach dem Zielpublikum stellen muss. Als Auflockerung bei einem Verkaufstraining-Seminar mag dieses Video für viel Heiterkeit sorgen und mit 100 Punkten scoren. Eingebettet ohne weitere Informationen ist es weder auf einer Webpage noch auf YouTube verständlich. Filme sind Projekte: Genre und Filmarten definieren hätte hier sicherlich geholfen.

Scotties Car Rental | Scotties Co.

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FILMPULS sagt dazu:Knapp daneben ist auch vorbei geschossen. Die Idee, misslungene Aufnahmen zur Erhöhung der Authentizität zum Teil des Video-Konzepts zu machen ist gut. Aber damit hat es sich dann auch. Der unüberlegte Einsatz von Green Screen oder Blue Screen sollte wegen visueller Umweltverschmutzung mit einer Busse geahndet werden. Rang 5.
Was man daraus lernen kann:Auftragsfilme macht man nicht für sich selbst, sondern für sein Publikum. Ein Video muss Informationen und Gefühle transportieren und den Zuschauer damit gewissermaßen konditionieren, damit dieser am Ende des Videos seinen nächsten Schritt unter anderen Voraussetzungen angeht als er es ohne Video getan hätte. Filme schneiden und bearbeiten heißt mehr, als nur Einstellungen aneinander zu reihen. Eine Idee alleine macht noch kein gutes Video Testimonial.

Fortsetzung

Teil 2 der Top 10 der absurdesten Auftragsfilme zeigt fünf weitere Videos, diesmal Imagefilme, die Wirkung zeigen aber nicht bewirken, was der Absender ursprünglich wollte.


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