Trends Storytelling mit 6 Themen, die 2016 richtig wichtig werden!

Briefing für Entscheider

trends storytelling für 2016 Filmpuls Das Beste für 2016

Trends für gutes Storytelling: 6 Themen werden das Jahr 2016 für die Kommunikation mit Film und Video prägen. Filmpuls erklärt zu Trends Storytelling die Hintergründe und Treiber hinter den wichtigsten Trends.

Visuelle Kommunikation verweist auf Text basierte Plattformen im Internet immer deutlicher auf die hinteren Ränge. Dieser, besonders für Storytelling mit Imagefilm und Online Video relevante, Trend ist für Experten keine Überraschung. Schon 1967 konnte von Shepard belegt werden, dass Bilder stärker im menschlichen Bewusstsein verankert werden als die gesprochene Sprache. Dieser Effekt ist heute weltweit als Picture Superiority Effect (deutsch: ‚Bildüberlegenheitseffekt‘) bekannt. Seine Folgen sind 2016 deutlicher denn je erkennbar:

Weil die Bewegtbildkommunikation die rasant anwachsende Menge an Informationen mit Relevanz und Emotionen verbindet wie kein zweites Medium, wird die Bedeutung von Film und Video auf digitalen Kanälen, Mobile Devices und Tablets weiterhin sprunghaft ansteigen. 2016 werden dabei insbesondere die folgenden Themen an Wichtigkeit gewinnen:

Gruppe A. Technische Treiber von Innovationen

Virtuelle Realität (VR)

Die neueste Generation virtueller Headsets (Gear VR, Oculus VR Headset) wird der Technologie im 2016 wohl noch nicht auf breiter Front zum Durchbruch verhelfen. Aber die Early Adopters in Marketing und Kommunikation werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich mit den neuen Möglichkeiten von 360 Film als Frontrunner in Sachen Immersion zu positionieren. Für das Storytelling in 360 Grad bietet die virtuelle Realität weit mehr als nur realitätsfremde Spielereien.

-> Trends Storytelling: Virtuelle Realität beginnt 2016 definitiv zu einer neuen, viszeralen Plattform zu werden, auf der außergewöhnliche Geschichten erzählt werden. Auch für Konsumenten.

Bereits 2014 hat das World Economic Forum WEF als Auftraggeber für das „Project Syria“ die größtenteils aus Führungskräften bestehenden Gäste am WEF mit der neuen Technologie der virtuellen Realität konfrontiert. Dank virtueller Technologie waren die Manager virtuell in Aleppo, während dort auf dem belebten Markt eine Rakete einschlug. Ebenso konnten die Teilnehmer des Forums dank dem von WEF-Gründer Klaus Schwab persönlich betreuten Projekt ein Flüchtlingscamp aus dem Blickwinkel eines Bewohner erleben.

„Immersive Journalism“ macht den Zuschauer zu einem Teil der Nachricht und bringt ihn mit Datenbrillen direkt ins Geschehen. So angewendet, können Storytelling Trends einen starken Sog entwickeln. Auch die 2017 auf den Markt kommende, neue YI HALO 360-Grad-Kamera von Google könnte ein Trendsetter werden.

Wearable Computing

Google kommt 2016 mit einer überarbeiteten Version ihrer Datenbrillen. Die Träger von Google Glass sind nicht nur Konsument von Informationen, sondern gleichzeitig auch Content Producer. 2015 wurden von mit Google Glass ausgerüsteten Journalisten in den USA Festnahmen und Fälle von Polizeiwillkür aufgezeichnet und medial verbreitet. Ebenso wurden erste, ausschließlich mit Google Glass produzierte, Interview-Serien und Web-Formate ins Internet gestellt.

-> Trends Storytelling: Weil es noch nie so einfach war, den eigenen Blickwinkel für die Öffentlichkeit zu dokumentieren und das Tragen der Brille maximale Mobilität und gleichzeitige andere Aktivitäten erlaubt, wird die Anzahl dieser Formate 2016 auf allen Kanälen rasant anwachsen.

Weil Datenbrillen wie Google Glass nicht nur Inhalte generieren, sondern auch direkt auf die halbtransparenten High-Tech-Brillen einspielen können, entstehen auch für das Storytelling völlig neue Perspektiven. Content wird dem User von Wearable Tech zukünftig als Mix aus selbst erlebter Realität (der eigene Blick durch die Brille) ergänzt um externe Inhalte (synchronisiert eingespielt auf die Brille) erzählt werden. Konvergent, interaktiv und in Realtime.

Diesen Trend belegt auch der Erfolg von Realtime-Streaming-Apps für Mobile Devices wie Meerkat und Periscope, deren Nutzerzahlen seit 2015 geradezu explodieren.

Videoformate für Smartphones

Gemäss Cisco wird bis 2017 mehr zwei Drittel des Datenverkehrs von Konsumenten im Internet aus Video-Content bestehen. Ebenso werden nach einer Studie von Forrester Research bis Ende 2016 global 4.8 Milliarden Menschen ein Smartphone nutzen, und damit 46% der Weltbevölkerung repräsentieren. Die Technologie hat sich die letzten Jahre darauf konzentriert, Videos auf Mobile Devices und Smartphones verfügbar zu machen.

Die Content Producer haben aber bisher kaum darauf hingewiesen, dass die Wirkung von Videocontent mit der Größe der verfügbaren Screens in einer Wechselwirkung steht. Content für Bewegtbild ist per se bildgetrieben. 2016 werden wir darum den Beginn einer Entwicklung für Videocontent erleben, die auf andere Weise vor einigen Jahren bei Webpages schon einmal in vergleichbarer Weise stattgefunden hat: Vor dem Aufkommen responsiver Layouts wurden Aufrufe von Internetseiten durch Mobilephones auf extra für Mobilephones gestaltete Webpages umgeleitet.

-> Videocontent wird zukünftig nicht nur technisch sondern auch inhaltlich auf den jeweiligen Distributionskanal maßgeschneidert ausgeliefert.

Der Content Producer wird dazu dem Distributor unterschiedliche Bildversionen eines Videos bereitstellen.  Ausgenommen von dieser Entwicklung werden Kommunikations- und Marketingmassnahmen sein, bei denen sich die Wirkungskraft des Videos bedingt durch den Adressatenkreis nur auf einen Kanal beschränken soll.


Gruppe B. Inhaltliche Trends Storytelling

Trends Storytelling: Dynamisches Storytelling

Die Wichtigkeit von interaktiven Stories, welche Texte, Fotos, interaktive Grafiken, Karten und Animationen zu verbinden wissen, wird 2016 markant zunehmen. Nicht zuletzt darum, weil dynamisches Storytelling mittlerweile auf einer Reihe erfolgreicher Cases und damit auf dem Leistungsausweis und dem Erfolg der Vorjahre aufbauen kann. Dabei profitiert das dynamische Storytelling auch von den Prinzipien der Comics und von Graphic Novels.

-> Die Einzigartigkeit des dynamischen, interaktiven Storytelling liegt darin, dass der Zuschauer die Menge der für das Verständnis der Story erforderlichen Informationen ebenso wie einzelne Handlungsstränge und Erzähltiefe eigenständig und individuell wählen kann.

Dynamische Stories erfordern zwar in der Planung und Kreation mehr Aufwand als lineare Formate, ihre Markttragfähigkeit und ihr Erfolg im Kampf um Aufmerksamkeit ist der Wirkung klassischer Stories aber klar überlegen. Gleichzeitig sinken die Herstellungskosten und die Produktionszeiten durch technische Innovationen und das Streben nach Konvergenz bleibt auch 2016 im Zentrum der Bewegtbildkommunikation.

Trends Storytelling: Die Rückkehr der Genre

Angetrieben durch die Erfordernisse von Konvergenz, durch technische Entwicklungen und nicht zuletzt durch wachsenden Kostendruck im Markt haben sich Film und Video im Auftragsfilm seit 2008 immer stärker aus dem Kontext der jahrzehntelang etablierten Film-Genre lösen müssen. Videos wurden Diener vieler Herren. Als Image-Film, Werbefilm, Produkt-Film und interactive Web-Video sollte der Aufwand optimiert und die Wirkung maximiert werden. Big Data macht dieser Entwicklung einen fetten roten Strich durch die Rechnung.

Das ist richtig so. Im Klartext: Wo User oder Zuschauer individuell segmentiert und angesprochen werden, verfehlt medialer Einheitsbrei aus dem kleinsten gemeinsamen Nenner seine Wirkung kolossal.

-> Durch die Ubiquität des Internets wächst auf Seite der Adressaten der Wunsch nach Orientierung und Führung.

Genre als vom Zuschauer gelernte und akzeptierte Gemeinsamkeiten einer Erzählform werden deshalb wieder verstärkt im Storytelling eingesetzt. Ob dramaturgischen Genre-Vorgaben präzise gefolgt wird, oder ob damit bewusst und lustvoll experimentiert wird: 2016 wird für erfolgreiches Storytelling der Umgang mit Genre ebenso Thema wie Notwendigkeit.

Interessanterweise zeigt sich auch beim Spielfilm ein Trend zur Wiederaufnahme des Genre-Films. Mit The Revenant und The Hateful Eight machen aktuell gleich zwei grandiose Western im Kino und im Rennen um den Oscar auf sich aufmerksam. Beide Filme beweisen, dass unterschiedliche Kameratypen (Revenant digital, Hateful Eight analog!) nach wie vor ihre Existenzberechtigung haben.

Trends Storytelling: Fokus und Authentizität

Zwischen Absender und Empfänger einer Kommunikationsbotschaft gibt es ein unausgesprochenes Versprechen, ohne dessen Erfüllung keine Wirkung eintritt. Dieses Versprechen besagt, dass die beim Empfängers durch die Kommunikation geweckten Erwartungen erfüllt werden müssen. Dieses Versprechen einzulösen bedeutet Aufrichtigkeit gegenüber dem Adressaten einer Message.

Teil dieser Aufrichtigkeit ist es, die Erwartungen des Zuschauers an ein Video aus der eigenen Küche zu kennen. Nur so können die Erwartungen erfüllt, oder besser noch, übertroffen werden.

-> Emotionale Bedürfnisse können nur dann integer erfüllt werden, wenn der Absender statt auf sich selbst auf den Empfänger fokussiert, ihm auf Augenhöhe begegnet und sich dabei auch selbst treu bleibt.

Wer als Kommunikator diesen Erfordernissen erfolgreich genügen kann, wird 2016 einen Schritt weiter gehen und die Bindung des Zuschauers durch interaktive Komponenten im Storytelling zusätzlich stärken. Der Zuschauer bekommt dadurch das Gefühl, den Verlauf einer Story mitgestalten zu können. Das funktioniert mit VR in einem 360 Image Film oder 360 Grad Video genau so wie bei herkömmlichen Film-Formaten. Aber nur, wenn der Absender seiner eigenen Story eine gewissen Eigenständigkeit zugesteht und anerkennt, dass seine Story ohne Publikum nie mehr als eine Absicht werden kann. Der geschickte Kommunikator wird darum um die Unterstützung seines Publikums werben. Entsteht dabei aus dem „ich“ (Absender) in der Geschichte ein „wir“ (Absender und Adressat), ist die Tür dazu offen, gemeinsam mit dem Zuschauer den Weg zum Ziel zu gehen.


Trends Storytelling: Schlussfolgerung

Wo sich technische Innovationen in rascher Kaskade überschlagen ist es umso wichtiger, nicht nur zu wissen was sich ändert, sondern auch was bleibt. Bleiben wird der Mensch. Er bleibt im Zentrum und er bleibt Sinn und Zweck von Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen, mitsamt seinen Besonderheiten und Unzulänglichkeiten, und getrieben von den Daseinsgrundfunktionen.

Trotz allem Fortschritt wird für Kommunikatoren und Produzenten auch in Zukunft und 2016 weiterhin gelten müssen: „A fool with a tool is… – still a fool.“ Gute Filme werden weiterhin leuchten und schmerzen müssen, ungeachtet ob sie auf Authentizität setzen, abfilmen, verfilmen oder inszenieren. Gerade und ganz besonders gilt das für 360 Videos.

Trends Storytelling sind sie nicht, aber Dauerbrenner für Film und Video: Farbpsychologie, selbst lernende Software für Film und Video, der Zwang zur Geschichte, Subjektive Wahrnehmung, der Umgang mit Off-Kommentar und Off-Voice und der Siegeszug von Dokusoap und Reportage.

Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für sequentielles Storytelling. Er ist CEO der 1947 gegründeten Condor Films AG, promovierter Jurist und Inhaber eines MBA der Universität St. Gallen HSG.

5 Kommentare

  1. Danke für den spannenden Einblick ins Storytelling 2016 – sehr interessant!

  2. Besten Dank für den spannenden Blogartikel.

  3. Gratuliere, spannender Beitrag! Auf den Punkt, was die Trends betrifft.

  4. Ich kann die Aussagen vollständig unterstreichen.

  5. Super spannender Blog-Eintrag, vielen Dank!

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