Mr. Robot: Wie Sam Esmail mit seiner TV-Serie neue Maßstäbe setzt

Analyse der meisterhaften TV-Serie

Mr Robot - was Imagefilme und Produktfilme von der TV-Serie lernen können Mr. Robot transportiert eindrücklich Emotionen und Informationen

Man soll nicht nach den Sternen greifen. Aber man darf sich an ihnen orientieren. Mit Mr. Robot legt Regisseur und Autor Sam Esmail ein Werk in Form einer TV-Serie mit Darsteller Rami Malek vor, das erzählerisch und handwerklich jedes  Mittelmaß verweigert.

Die Serie erzählt auf meisterhafte Weise die Geschichte von einem Computer-Hacker, der Hunde mag und auf die Erlösung der Welt vom Bösen hinarbeitet. Filmpuls publiziert hier eine Würdigung aus filmischer Sicht, wichtige Learnings auch für Leser, die nicht wissen was ein Hacker ist und für was der Begriff „http“ steht, inbegriffen:

Nicht nur die Testscreenings, die online erfolgten, sondern auch der Erfolg im TV und bei den Kritikern, und Aufrufe in Millionenhöhe im Internet, geben den Machern recht: Die Verantwortlichen von USAnet hatten, zusammen mit der ausführenden Produktion, ein gutes Näschen. Die innovative Video Serie, in deren Zentrum das Drama um den jungen Programmierer Sam Elliot steht, gilt seit sie ins Web geladen wurde weltweit als wegweisend. Sie generiert seit Monaten Aufrufe, die im Bezug auf Dauer und Anzahl zeigen, wo und wie das TV-Publikum der Zukunft seine Serien konsumieren wird. Die Serie verbindet Comics und Film auf imposante Weise.

Die TV-Serie Mr. Robot von Sam Esmail

Von den herausragenden filmischen Leistungen und den sich daraus ergebenen Learnings für das Storytelling in Mr. Robot können nicht nur Serienfreunde, sondern auch Auftragsfilme und Entscheider in Unternehmen profitieren.

Kameraführung

Wer Regeln brechen will, muss sie kennen. Diese Prämisse gilt nicht nur für die in der TV-Serie von Rami Malek genial verkörperte Hauptfigur Elliot Alderson. Sondern auch für die Kameraführung von Tod Campell und Tim Ives. Ihr Umgang mit dynamischer Symmetrie bei der Wahl der Bildausschnitte ist ebenso wie die Farbpsychologie der Serie prägnant und stilbildend. Ihre Kamera unterstützt jede Sekunde das Storytelling und trotzdem bleibt sie in fast schon magischer Weise diskret und unaufdringlich.

Sean Penn sagt in »The Secret Life of Walter Mitty« (2013): Beautiful things don’t ask for attention. Die Serie gibt Sean Penn recht.

Musik und Sound Design

Seit »Trainspotting« (1996) haben wir darauf gewartet, dass uns ein Spielfilm wieder beweist, dass Musik und Sound Design keine naturgegebenen Feinde, sondern Brüder sind. Mr. Robot von Sam Esmail ist kein Spielfilm. Aber der für die Musik zuständige Mac Qualye braucht den Vergleich mit Hollywood keine Sekunde zu fürchten und macht die Serie auditiv zum Erlebnis. Wer sich schon je gefragt hat, wie viel Musik und Sound Design für bewegte Bilder leisten können, der findet hier die Antwort.

Und wer als Filmschaffender und Kreativer sich schon mit der Frage auseinandergesetzt hat, wann und wo und warum und für wie lange ein Musik-Einsatz erfolgen sollte, für den ist diese Serie schlichtweg Pflicht. Punkt.

Besetzung: Ramik Malek brilliert als Sam Elliot

Schöner als im Leben, weil schließlich niemand die Realität sehen will? Das war einmal. Der Cast der TV-Serie besteht aus Menschen, die einem im eigenen Arbeitsalltag auf dem Nachhauseweg über den Weg laufen könnten.

Vom Durchschnittsmenschen und Nachbarn nebenan unterscheidet die Darsteller einzig ihr Talent, das einen sprachlos macht. Das macht sie zu Stars.

Dieses Talent leben die Schauspieler Rami Malek (in der Rolle als Elliot Alderson), Carly Chaikin (Darlene), Portia Doubleday (Angela Moss) und Martin Wallström (Tyrell Wellick). Sie alle brillieren in der Serie. Auch dank der Leistung der Autoren unter Leitung von Regisseur Sam Esmail und der daraus resultierenden, äußerst differenzierten Charakterzeichnung. Sie allen haben das Potential zu Stars.

Mr. Robot von Sam Esmail mit Rami Malek (Photo): Ein geniales Meisterwerk filmischen Erzählens

Mr. Robot von Sam Esmail mit Rami Malek (Photo): Ein geniales Meisterwerk filmischen Erzählens

Storytelling

Erfahrene Erzähler von Stories wissen, dass nicht nur zählt, was in einer Story erwähnt wird, sondern ein wesentlicher Anteil auch darin liegt, was bewusst nicht angesprochen wird. Das erzählerische Setzen von Lücken in einem Drama gehört zum anspruchsvollsten Teil des Filmhandwerks und fordert Drehbuchautor, Regisseur und Cutter gleichermaßen.

Gib einem Mann eine Pistole, und er wird eine Bank ausrauben. Gib einem Mann eine Bank, und er wird die Welt ausrauben.
Elliot Alderson (Mister Robot)

Das Team hinter der Serie beherrscht den Umgang mit Lücken beneidenswert souverän. Es ist darum wenig verwunderlich, dass auch in der Handlungslinie nicht zufällig Auslassungen eine dramaturgisch überaus wichtige Rolle spielen.

Die Serie widerlegt zudem souverän und mühelos das von Produzenten ebenso wie von Filmförderern gerne zitierte Vorurteil, Stories in denen es um die digitale Welt und um Computer ginge, seien nicht spannend erzählbar.

Einsatz von Off-Kommentar

Off-Kommentar wird oft mit Klebstoff verwechselt. Entweder soll die Stimme aus dem Nichts als zusätzliche Erzähl-Ebene einem Film mehr Tiefe verleihen, oder schlimmer, den Zuschauer an die Hand nehmen und durch den Film führen, meist weil die Angst gesiegt hat, dass Charaktere oder Handlungsstränge ohne Off-Kommentar nicht verstanden würden.

Off-Kommentar richtig eingesetzt, ist ein zusätzlicher Darsteller im Film. Ein Darsteller, der zwar nicht physisch vor die Kamera tritt, aber dessen Motivation und dessen Funktion perfekt in das Konzert der Handlung passt.

Wie dieser Anspruch nicht nur genial gelingt, sondern am Ende auch noch ad absurdum geführt wird, demonstriert die TV-Serie Mr. Robot mit einer Leichtigkeit, vor der man den Hut ziehen muss. So wird schöner Fernsehen ein Kino-Erlebnis.

Erzählperspektive

Jede Story wird, bewusst oder unbewusst, aus einer eigenen Perspektive erzählt. Es dürfte nach den vorausgehenden Ausführungen nicht mehr groß erstaunen, dass das Autorenteam unter Leitung von Sam Esmail die Episoden der Serie (englisch für Episoden/Folgen) so konstruiert hat, dass die Wahl der Erzählperspektive am Ende der ersten Staffel keine mehr ist.

Wer die Serie schon gesehen hat, weiß warum. Computerlaien werden zusätzlich feststellen, dass ich hinter http ein Universum verbirgt. Filmisch, technisch, und mit Folgen für uns alle. So muss ein Filmkonzept sein.

Staffel 1

TV-Serie Mr Robot von Sam Esmail mit Rami Malek (Season 1, Episodes 1-10, Dauer: 1:10)

Vorschaubild

Von der Kritik überschwänglich gelobt, war die Serie  im deutschsprachigen Raum bisher erst an der Cologne Conference und am Zurich Film Festival zu sehen. Gestartet ist das Format als Official TV Series im Sommer 2015 in den USA sowohl online als auch im TV.

Seit 20. November 2015 ist die Serie im deutschsprachigen Raum für Aufrufe online auf Amazone Prime Instant Video sowohl in der englischen Originalversion wie auch in einer deutschsprachigen Synchronfassung verfügbar.

Die Fortsetzung in Form einer 2. Staffel mit weiteren 10 Episoden (Dauer pro Folge: 45 min bis 60 min) wurde bereits vor der Ausstrahlung der 1. Staffel in Auftrag gegeben. Der Start von Staffel 2 der Serie erfolgt im englischsprachigen Raum am 13. Juli 2016. Ein erster, offizieller Video Trailer wurde von USAnet bereits vor Monaten ins Internet geladen.

Staffel 2

TV-Serie Mr Robot von Sam Esmail mit Rami Malek (Season 2, Episodes 1-10, Dauer: 0:20)

Vorschaubild

 

Über Redaktion Filmpuls

Unter der Bezeichnung «Redaktion Filmpuls» erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt werden.

2 Kommentare

  1. Robot rocks!

Filmpuls geben

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