Video machen erfordert vom Auftraggeber nur eine einzige Entscheidung

Warum einfach, wenn's schwierig geht

Video machen erfordert vom Auftraggeber nur eine einzige Entscheidung Video machen erfordert vom Auftraggeber nur eine einzige Entscheidung - filmpuls

Böse Zungen behaupten, dass beim Video machen die Produzenten diejenigen Probleme lösen, die man ohne sie nicht hätte. Natürlich ist das falsch. Wahr aber ist, dass man als Auftraggeber im Gespräch mit selbsternannten Film-Experten schnell einmal das Gefühl bekommen kann, Video produzieren sei eine „Rocket Science“. Ich behaupte: ein Kunde muss für einen Film oder ein Video nur einen einzigen Entscheid fällen. Einen. Nicht mehr. Nicht weniger.

Es gibt nur drei Arten, wie ein Filmprojekt angegangen werden kann: Ein Film kann in Form des „Abfilmens“, des „Verfilmens“ oder des „Spielfilmens“ umgesetzt werden. Für eine davon muss sich der Kunde entscheiden. Alles Weitere ergibt sich daraus. Auch die Frage, was kostet ein Imagefilm? Darum muss der Entscheid, welche dieser drei Arten für das eigene Filmvorhaben die Richtige ist, aus der Sicht des Auftraggebers im Vordergrund stehen. Dieser Entscheid muss auch darum Priorität besitzen, weil er für die richtige Wahl des Agentur- oder Produktionspartners absolut erfolgsentscheidend ist.

Jede der drei Arten, wie zur Umsetzung eines Films oder Videos 2 vorgegangen werden kann, hat im Kanon der Kommunikation mit Film und Video ihre Existenzberechtigung.

KategorieDefinition
AbfilmenAufzeichnung von bereits gegebenen Vorgängen durch eine Kamera. Meist von 1 Person (Kameramann/VJ) realisiert.
VerfilmenÜbersetzung von Aussagewünschen in Bewegtbild. Gezielter Transport von Emotionen und Informationen mit Film und Video.
SpielfilmenWie Kategorie Verfilmen, aber Umsetzung erfolgt zusätzlich mit Hilfe von fiktionalen Elementen und oft mit Entertainment.

Vorgehen 1: Das Abfilmen

Abfilmen heißt, Kamera einschalten, draufhalten und zusammenschneiden. Fertig ist das Video. Das Storytelling und die Kommunikation entstehen bei dieser Vorgehensweise dort, wo sie stattfinden und wann sie stattfinden, wenn sie denn stattfinden. Also mehr oder weniger zufällig. Das unterscheidet das Abfilmen von einer Dokumentation. Auch die Dokumentation bildet die Realität ab, aber unter redaktionellen-inhaltlichen Perspektiven. Dokumentationen gehören darum nicht, wie oft angenommen, in die Kategorie des „Abfilmens“, sondern zur nachfolgend erwähnten Gruppe des „Verfilmens“. Der Autor einer Dokumentation (ob für Videos oder Fotos) wählt die Erzählfigur und den Blickwinkel der Kamera bewusst und gezielt.

Für das Abfilmen reicht es, die Kamera technisch zu beherrschen und damit ein Bild aufnehmen zu können. Gerät das Bild einmal etwas aus dem Fokus, verstärkt das die Authentizität des Web-Videos, und ist darum zu tolerieren. Ist der Ton des Videos wegen Umgebungsgeräuschen nur beschränkt gut verständlich, hilft darübergelegte Musik (die nicht in jedem Fall so klingen muss, als wäre man in einem Supermarkt oder im Aufzug eines amerikanischen Businesshotels.) Die Methode des Abfilmens beantwortet dem Zuschauer möglicherweise  Fragen, die er gar nie stellen wollte. Der Zweck des Videos rechtfertigt beim Abfilmen die Mittel und die Kosten. Oft reicht es durchaus, wenn das Talent des Kameramannes oder des Videojournalisten 1 darin besteht, den abzufilmenden Vorgang nicht zu stören. Klassische Anwendungsfälle für das Abfilmen in professionellem Rahmen sind Events, Firmenanlässe, Interviews, Testimonials oder Ereignisse, die für Kunden, Mitarbeitende, das Firmenarchiv und die Nachwelt festgehalten werden sollen.

Abfilmen ist wenig kostenintensiv und hoch effizient. Und auch wenn sich das zu erzielende Resultat nicht immer vorhersagen lässt: beim „Abfilmen“ wird nicht zwingend und immer mit Schrott in den blauen Himmel geschossen um eine Taube zu erwischen. Abfilmen kann für Videos je nach Aufgabenstellung und Zielsetzung ein durchaus passabler Weg sein. Vorausgesetzt, es findet sich die richtige Person dafür. Es geht beim Abfilmen nicht in erster Linie um Talent. Aber genau darin liegt der Hund begraben: Jeder Kameramann und jeder Videojournalist, der nur ein Quäntchen Talent und etwas Verstand besitzt und der mehr als ein halbes Jahr Erfahrung mit Abfilmen vorweisen kann, wird nicht länger „abfilmen“, sondern inszenieren wollen. Weil er damit in der Hierarchie der Film- und Videobranche höher steht, mehr verdient und spannendere Aufgaben umsetzen kann.

Die Gefahr ist darum groß, dass man für ein Vorhaben in der Kategorie Abfilmen entweder einem top-motivierten, aber blutigen Anfänger gegenübersteht, oder aber einem beschränkt motivierten, frustrierten Filmschaffenden, dessen Fähigkeiten nicht ausgereicht haben, um auf der nächsten Stufe der Karriere zu bestehen.

Eine besondere Form des „Abfilmens“ ist das Testimonial. Es kann je nach Ausgestaltung, beispielsweise in Form eines CEO-Videos, tatsächlich abgefilmt werden – oder aber ähnlich komplex wie ein Werbespot, auch das für ein CEO-Video, inszeniert werden und sich gänzlich in anderen Spähren als das Abfilmen bewegen.

ProKontra
AbfilmenpreisgünstigAlleinstellungsmerkmale selten erkennbar
Wirkung ensteht mehr zufällig als geplant

Vorgehen 2: Das Verfilmen

Verfilmen wird an dieser Stelle definiert als die Übersetzung einer vorbestehenden Ausgangslage in das bewegte Bild. Die vorbestehende Ausgangslage kann ein genereller Aussagewunsch sein (der zu einem Imagefilm führt), ein vorhandener Text (beispielsweise für ein Mitarbeiter-Video zu korrekten Anwendung eines Code of Conduct), ein Subjekt (CEO-Testimonials) oder ein Objekt (zum Beispiel eine Fertigungsstraße in der verarbeitenden Industrie). Anders als beim Abfilmen steht beim „Verfilmen“ also nicht nur die technische Abbildung eines Sachverhalts durch ein technisches Aufzeichnungsverfahren im Vordergrund. Verfilmt wird immer dort, wo mit dem Bewegtbild nicht nur etwas festgehalten, sondern wo auch eine kontrollierte Wirkung erzielt werden soll.

Verfilmen bedeutet darum immer auch Storytelling und Dramaturgie. Dazu braucht es Handwerk, Erfahrung und Talent. Informationen und Emotionen mit Film und Video zu transportieren ist nichts für Anfänger (Zur Unterscheidung von Film und Video siehe: Was ist ein Video).

Beim „Abfilmen“ ist oftmals zu beobachten, dass die Kamera-Arbeit an die Geschichte des Mannes erinnert, der nachts seine Geldbörse verloren hat und diese nun verzweifelt im Licht der Straßenlampe zu finden versucht. Nicht weil er die Geldbörse unter einer Straßenlampe verloren hat, sondern weil das der einzige Ort in der Dunkelheit der Nacht ist, an dem er etwas sehen kann. Für die Option „Verfilmen“ kann es keine Option sein, nur das zu drehen, was man zufälligerweise gerade sieht, oder kostenlos vor die Kamera bekommt. Inhalte ruckzuck erstellen und auf YouTube hochladen reicht nicht. Um die Wirkungsäquivalenz3 zu gewährleisten, muss beim „Verfilmen“ auch inszeniert werden. Wer Verfilmen sagt, sagt auch Montage: das Schneiden und der Editor hat hier, anders als beim Abfilmen, nicht nur eine ordnende oder reduzierende, sondern auch eine erzählerisch-gestalterische Rolle.

„Verfilmen“ braucht Know-how, Erfahrung und Talent. Darum ist diese Vorgehensweise kostenintensiver als ein reines „Abfilmen“. Das daraus entstehende Werk ist dafür um ein vielfaches wirkungsstärker. Weil sich in dieser Kategorie Aussagewunsch, Kommunikation und Bewegtbild auf gleicher Augenhöhe treffen. „Abfilmen“ ist mit Gummi-Sandalen aus dem Supermarkt zu vergleichen. Günstig, wenig originell, austauschbar. Wer auf das „Verfilmen“ setzt, kauft sich gewissermaßen einen maßgeschneiderten Schuh und setzt damit auf passgenaue Kommunikation, Originalität, Eigenständigkeit und Alleinstellungsmerkmale. Das hat seinen Preis.

Zu bedenken ist, dass ein Film, der nicht wirkt, immer teurer ist als ein Film, der seine Botschaft zielsicher vermittelt. Eine „Verfilmung“ muss inhaltlich hohen qualitativen Anforderungen gerecht werden (Artikel dazu: gutes Storytelling mit CSI-Regeln erkennen und optimieren).

Reichen die Mittel beim „Verfilmen“ nicht aus für die Zusammenarbeit mit Profis, besteht die beste Alternative zur Erstellung eines Films darin … – keinen Film zu produzieren.

Einen Sonderfall bildet beim Verfilmen die Kategorie 360 Grad Video. Die Inszenierung ist beim 360 Grad Image Film, wie bei allen 360° Produktionen, näher am Theater als bei Film und Video und stellt hinsichtlich Talent und Budget höchste Anforderungen.

ProKontra
VerfilmenWirkungsstarke Kommunikation durch gezielte Übersetzung des Aussagewunsches in Film oder Video.Nur mit professionellem Partner möglich, der Erfahrung, Know-how und Talent einbringen

Vorgehen 3: Spielfilmen / Inszenieren

Der Begriff „Spielfilmen“ wird hier nicht für Kinofilme oder TV-Movies verwendet, sondern für alle filmischen Werke mit fiktiven Handlungselementen beim Video machen verwendet. „Spielfilmen“ unterscheidet sich darum vom „Verfilmen“ in erster Linie durch die Kreation. In dieser Kategorie wird ein bestehender Aussagewunsch nicht nur wirkungsstark in die Bildsprache übersetzt, sondern es wird komplett Neues im Dienst der Sache geschaffen.

Ein Motivationsvideo kann beispielsweise als dokumentarischer Film über reale Mitarbeitende eines Unternehmens gedreht werden („Verfilmen“). Alternativ kann derselbe Aussagewunsch mit Schauspielern inszeniert und verfilmt werden („Spielfilmen“). Anders als mit Laien vor der Kamera können so archetypische Situationen zwecks Kommunikation vor der Kamera ganz gezielt herausgearbeitet und vermittelt  werden. Und im Gegensatz zu einer verfilmten Dokumentation bleibt, wenn ein im Film vorkommender Schlüssel-Mitarbeitender das Unternehmen verlässt, beim „Spielfilmen“ das Werk von personellen Veränderungen in der realen Welt unberührt.

Durch das Mittel der Fiktion können Sachverhalte zu Gunsten der Wirkung emotionalisiert und verdeutlicht werden. Beim „Spielfilmen“ dominiert in der Regel die Emotionalität über die Authentizität. Ob Dreharbeiten, die spätere Bildbearbeitung („Schneiden“) oder die Ton-Ebene: beim Spielfilmen spielt das gesamte Konzert der kreativen Filmgestaltung. Spezialisierte Hardware und Software gehen Hand in Hand. Nicht ohne Grund performt diese Kategorie auf  YouTube im Bezug auf Aufrufe und Dauer am Besten.

Die Inszenierung fiktiver Inhalte liegt kostentechnisch eine Stufe höher als bei der Vorgehensvariante „Verfilmen“. Know-how, Talent und Erfahrung sind, wie bei der vorherigen Kategorie „Verfilmen“, beide gleichermaßen erfolgsentscheidend.  Aus Sicht des Zuschauers sind für das Spielfilmen nicht andere Filme von Mitbewerbern ein Vergleichsmaßstab, sondern vielmehr Produktionen aus der Welt von TV, Film und Entertainment. Darauf spezialisierte Autoren, Schauspieler und Regisseure, die zudem sowohl die Welt des Auftraggebers wie die des Spielfilms verstehen, haben wie ein erfahrener Editor oder ein Auftrags-Komponist für Musik ihren Preis.

ProKontra
SpielfilmenHochattraktiv für Zuschauer
hohe Emotionalität
Kostenintensiv
talentgetrieben

Fazit zum Video machen

Einverstanden: Ein Entscheid alleine macht noch keinen Film. Darum wird vom Auftraggeber in der Regel eine spezialisierte Filmagentur oder eine Produktionsfirma verpflichtet. Welche, das ist der zweitwichtigste Entscheid nach der Frage, ob Informationen und Emotionen „abgefilmt“, „verfilmt“ oder mit einer eigens kreierten Story wirkungsstark und nachhaltig transportiert werden sollen. Schließlich will kein Auftraggeber einen Kompetenz-Partner, der Probleme löst, die man ohne ihn nicht hätte.

Video-Testimonials bewegen sich in der Regel an der Schnittstelle zwischen Abfilmen und Verfilmen. Das macht ihre Umsetzung anspruchsvoll und nicht selten auch gefährlich. Das Management von Erwartungen ist in dieser Kategorie Film ganz besonders wichtig.

Wer für sein Vorhaben die richtige Kategorie und den richtigen Partner gewählt hat, dem wird es während der Herstellung gehen, wie später dem Zuschauer: Alles scheint sich mühelos und selbstverständlich zu mehr als der Summe der Einzelteile zusammenzufügen. Und das ist richtig so. Prozessqualität und Ergebnisqualität laufen heute bei professionellen Film- und Videoproduktion Hand in Hand.

Die Belohnung für alle Beteiligten ist ein Film, dessen Strahlkraft und Eleganz Zuschauer und Auftraggeber gar nicht erst auf die Idee kommen lässt, dass die geleistete Kreation und Produktion aufgrund komplexer kommunikativer Vorgaben höchst anspruchsvoll war.


Ergänzende Anmerkungen

  • 1 Die Bezeichnung Videojournalist (abgekürzt meist VJ) muss als Begriff im Sinne des Wortes für das, was eine einzelne Person mit einer Kamera leisten soll, das Ziel sein. In Realität finden sich im freien Markt unter der Berufsbezeichnung VJ nur wenige Personen, die tatsächlich eine journalistische Ausbildung vorweisen können. Wer als Kameramann oder –Assistent bei einer TV-Produktion mitgearbeitet hat, qualifiziert sich darum nicht automatisch zur journalistischen Arbeit und als Storyteller. Ein qualifizierter Videojournalist kann umgekehrt  durchaus in der Lage sein, in einem gewissen Umfang auch einfache Aufträge in der Kategorie „Verfilmen“ umzusetzen.
  • 2 Auch Fotos lassen sich aus Sicht des Auftraggebers nach derselben Methode katalogisieren.
  • 3 Unter Wirkungsäquivalenz versteht man die Übertragung der Wirkung von einer Kommunikationsform in die andere, beispielsweise von Text in Film oder von Standbildern (Storyboard) in Bewegtbild.
  • Zum Preis Imagefilm: siehe auch Artikel über Reverse Budgeting als alternative zum klassischen Prozess der Budgetvergabe.

Sie finden Vereinfachungen und Gruppierungen, wie sie dieser Artikel vornimmt, unprofessionell, falsch und gar nicht lustig? Dann empfehle ich Ihnen unsere Seite für Filmwitze.

Seit Anfang 2017 ist Filmpuls auf Smartphones ergänzend auch im neuen Google-Mobile-Standard AMP (Accelerated Mobile Pages) verfügbar. Ebenso ist Filmpuls für eingeloggte Mitglieder auf Facebook Apps neu auch kostenlos in den News als Instant Article als Test sichtbar.Die Lesbarkeit von Tabellen ist für entsprechende User beider Anbieter aus technischen Gründen aktuell noch erschwert. Wir bitten um Verständnis.

Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen auf die männliche Form reduziert. | © Artikel Filmpuls

Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für Kommunikation mit Film und Video. Der gelernte Jurist und Absolvent eines MBA der Universität St. Gallen arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren im Mediengeschäft und ist seit 2002 Geschäftsführer der Condor Films AG.

Kommentar hinterlassen

(Email-Adresse bleibt anonym.)


*