Was kostet ein Film oder ein Video? Und warum so viel!

Leser fragen, Filmpuls antwortet

Was kostet ein Film oder Video und warum? Leser fragen. Filmpuls antwortet. Was nicht viel kostet, ist nicht viel wert. Was viel kostet, vielleicht auch.

Leserfrage: Bei einer Auftragsausschreibung für ein kurzes Webvideo habe ich Angebote erhalten, die sich im Preis bis zu 320% (!) unterscheiden: Das spricht nach meinem Dafürhalten nicht für die Seriosität der Anbieter von Videoproduktionen! Darum meine ganz einfache Frage, zusammen mit der Bitte um eine schlüssige Antwort: Was kostet ein FilmWalter F., Zürich, per Email

Ihre Frage hat das Potential, vielen Menschen aus der Film- und Videoindustrie den Appetit zu verderben, geschätzter Walter F. Zu groß ist die Angst vor spöttischen Kommentaren der Mitbewerber und der Druck in der Branche, als dass sich die durchschnittliche Videoproduktion mit Richtwerten aufs Glatteis wagen würde.

Nach der langjährigen Erfahrung der Filmpuls-Redaktion aus der Praxis gibt es drei übergeordnete Fragen, die für die Bestimmung der Preise ganz besonders wichtig sind. Da wir nicht im Besitz ihres Briefings sind, können Sie, lieber Walter F., mit diesen Fragen einfach eine erste Einordnung in Preiskategorien vornehmen.

★ Soll ihr Video etwas Vorhandenes (beispielsweise ein Event, eine Werk-/Produktionsstraße, eine Ansprache) abfilmen? Oder einen Aussagewunsch, den es zu transportieren gilt, mit filmischen Mitteln herausarbeiten, verstärken und damit verfilmen? Oder sogar Dinge zwecks Kommunikation oder Marketing visualisieren und emotionalisieren, die es noch gar nicht gibt, also inszenieren?

Vorbestehendes abfilmen ist in der Regel weit weniger aufwändig, als die Realität ganz gezielt mit einem Filmkonzept und durch Wahl von Blickwinkel, Erzählperspektive und weitere Tools aus dem Fundus der Bewegtbild-Kommunikation zu verändern. Noch aufwändiger ist nur noch das Schaffen neuer Welten, die von A-Z erschaffen werden müssen. Das ist nebst Star-Salären mit ein Grund, warum Hollywood-Filme exorbitant viel kosten.

★ Ob abgefilmt, verfilmt oder inszeniert: jede dieser drei Spielarten benötigt zu ihrer Umsetzung Menschen. Diese haben, wie in der übrigen Arbeitswelt auch, nebst ihrer Funktion im Herstellungsprozess auch einen unterschiedlich großen Erfahrungsschatz, unterschiedlich großes Know-how und unterschiedlich großes Talent vorzuweisen.

Es ist nahe liegend, dass eine erfahrene Arbeitskraft mit fundiertem Wissen, die ihre Erfahrungswerte und das Know-how mit Talent zu verbinden mag, ihre Leistungen im Markt zu anderen Preisen anbietet als ein blutiger Anfänger in der gleichen Funktion.

Wissen, Erfahrung und Talent haben ihren Preis. Wenn Sie für Ihr Video einen Me-Too Charakter anstreben, brauchen Sie dazu keine Spitzenkräfte. Für Kopien und für den Durchschnitt reicht auch auf Seite der Kreation und Herstellung der Durchschnitt. Umgekehrt lassen sich außergewöhnliche Leistungen selten mit Mittelmaß erreichen.

★ Dies, sehr geehrter Walter F. aus Zürich, führt uns an einen Punkt, der Sie möglicherweise etwas unangenehm berühren mag. Haben Sie in ihrem Briefing diese absolut wichtigen Fragen thematisiert? Oder einfach, sinngemäß gesagt, ein Angebot für ein „Auto“ bestellt ohne einzugrenzen, ob Sie dabei an eine dreirädrige Vespa oder an einem Bentley denken?

Das richtige Briefing ist in der Offertphase ebenso grundlegend wie die ausführliche Definition der Filmart im Briefing. Ein Webvideo kann als Imagefilm, Werbefilm oder für Social Media konzipiert werden. Der Nutzungszweck und die angestrebte Wirkung bestimmt mit, was ein Film kostet.

Aber damit ist ihre Frage wohl erst halb, und erst noch mit einer ganzen Salve von Gegenfragen, beantwortet. Darum zur Sache:

Was kostet ein Film?

Was kosten Filme? Ab einer gewissen Länge lassen sich die Kosten für einen Film auf Basis von Minutenpreisen schätzten. Dies selbstverständlich nur als ungefähre Richtwerte und ohne jegliche Verbindlichkeit.

Wir gehen davon aus, dass Sie, lieber Walter F., mit einer Wohnadresse in Zürich und trotz tieferer Preise weder Fleischwaren noch Filme im deutschsprachigen Ausland erwerben. Wir orientieren uns daher an Lohn- und Lebenskosten in der Schweiz.

Die nachfolgende Aufstellung von Richtwerten basiert weiter auf der Annahme, dass nicht jedes Video in gleicher Qualität hergestellt werden muss, um seine Wirkungsziele zu erreichen.

Was kostet ein Filmerste Film-/Video-Minute:pro Folgeminute:
Imagefilm30’000.-ab 7’500.-
TV-Spot30 Sec = 50’000.- bis 150’000.-
Produktfilm15’000.-ab 4’500.-
Video Testimonial9’000.-ab 1’000.-
CEO Video12’000.-ab 1’500.-
Reportage8’000.-ab 2’000.-
Animationsfilmkeine seriösen Richtwerte möglich
 Erklärvideo ab 7’500.-, abhängig von Artab  3’000.-

Quelle: Erfahrungswerte filmpuls.ch (in CHF ohne MwSt.). Mit Ausnahme der Kategorie TV-Spot ist im Preis der ersten Minute auch der durchschnittliche Aufwand für Konzeption, Kreation und Projekt-Setup abgebildet.

Grundsätzlich gilt: je mehr Details in einem Film oder Video bewusst gestaltet werden sollen, desto höher der Aufwand und damit die Kosten.

Darum sind TV-Spots kostenintensiv. Wenn es um den Abverkauf von Produkten oder Dienstleistungen geht, darf nichts dem Zufall überlassen werden. Jedes Detail muss stimmen. Da wird dann schon mal die Farbe der Socken der Hauptdarsteller diskutiert und nach den Grundsätzen der Farbpsychologie im Film optimiert.

Ganz anders beim Abfilmen. An einem Event wird „einfach“ die Kamera daraufgehalten und gut ist. Dazu braucht es weder eine für die Kostüme zuständige Fachperson, geschweige denn ein Casting für die Darsteller und Spezialisten, die Gagen verhandeln und für die Übertragung  der Rechte vertraglich sicherstellen.

Die Wahrheit, was kostet ein Film, liegt dabei nicht in der Mitte. Sie können als Züchter für ihr schönes Kaninchen genauso eine Goldmedaille bekommen wie für einen schönen Araberhengst. Anders verhält es sich mit einem halben Pferd oder einem halben Karnickel – dafür wird sich niemand begeistern.

Hinzu kommt: Filme sind Projekte. Know-how, Erfahrung und Talent der Beteiligten sind die beste Versicherung gegen böse Überraschungen. Wer als Filmproduktion oder Videomacher keinen Ruf zu verlieren hat, wird mehr Risiken eingehen wollen, oder müssen, als ein langjährig etablierter Anbieter.

Wenn jeder und jede gute Filme und Videos produzieren könnte, gäbe es nur gute Filme statt Millionen von Video-Zombies, die auf Webpages oder bei YouTube neuen Opfern auflauern.

Die Praxis lehrt uns: Ein Film hat stets dann den richtigen Preis, wenn er die ihm zugedachte, ganz spezifische Funktion als Transportmittel für Emotionen und Informationen erreicht und Sie als Auftraggeber die Kosten als zu hoch und der Videoproduzent den Preis als zu tief empfindet.


In der Leser-Rubrik „Fragen“ ist Raum für grundsätzliche Leser-Fragen zur Kommunikation mit Film und Video an die Redaktion. Wir freuen uns auf Ihre Frage per Email.

Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Artikel Filmpuls

Über Redaktion Filmpuls
Unter der Bezeichnung "Redaktion Filmpuls" erscheinen Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt werden.

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