Was kostet ein Imagefilm oder ein Web-Video wirklich?

Schwere Frage einfach beantwortet

Auto ist nicht gleich Auto. Film ist nicht gleich Film. Ein Film ist gleich teuer wie ein Auto.

Was kostet ein Imagefilm? Was kosten CEO-Videos? Wie teuer ist ein Webvideo? Ein Produktfilm? Ihr Autohändler weiß es. Nämlich genau so viel wie ein Auto! Fragen Sie darum den Vertreter der Garage ihres Vertrauens. Das Problem, dass sich Ihnen dabei stellen wird, ist dasselbe wie bei Film und Video: ein Rolls Royce Ghost kostet ungleich mehr als der Kleinwagen Nissan Micra. 

Je nach Garage und der vertretenen Brands kann der automobile Angriff auf die Geldbörse fundamental anders enden. Warum? Auto ist nicht gleich Auto. Und Film ist nicht gleich Film. Was heißt dieser Unterschied nun konkret?

Was kostet ein Imagefilm?

Preisbestimmend beim Film sind der Grad der Inszenierung, die geplante Wirkung, das Mass der Emotionen und das Genre.

Während bei Neuwagen die Marke, Hubraum und Größe preisbestimmend sind, so ist es beim Film der Inszenierungsgrad und die geplante Wirkung, die Emotionen und das Genre, welche zusammen mit einer Reihe weiterer Faktoren den Preis ausmachen. Diese Faktoren sind:

Der Inszenierungsgrad

Zuerst stellt sich immer die Frage, zu welchem Grad ein Film oder Video die Realität dokumentiert oder inszeniert. Eine Einteilung in drei Arten von Videos präsentiert der Artikel Video machen, der auch erklärt, warum der Auftraggeber eines Films oder Videos nur eine einzige wichtige Entscheidung zu fällen hat.

Abgefilmte Realität ist immer günstiger als inszenierte Realität. Aber auch weniger stark in der Wirkung.

Abgefilmte Realität ist zwar weniger aufwändig, aber oftmals auch markant weniger attraktiv für den Zuschauer, der sich von einem Film und Video nicht nur Informationen sondern auch Emotionen und Unterhaltung verspricht. Filme sehen heisst immer auch fühlen. Das führt zur zweiten wichtigen Frage, nämlich derjenigen nach der Emotionalität.

Emotionen im Imagefilm

Emotionalität und Storytelling kann immer nur entstehen, wenn auch Identifikationsflächen geschaffen werden (mehr dazu im Artikel Storytelling im Imagefilm). Menschen orientieren sich an anderen Menschen. Sie identifizieren sich nicht an Word-Dokumenten und Excel-Tabellen sondern an Personen und Lebenswelten, die für sie als Referenzwerte dienen können.

Einsatzzweck

In der Praxis gilt beim Auftragsfilm oft: je näher am Produkt sich der Film bewegt und je kürzer die verfügbare Zeit ist, desto sorgfältiger und qualitativ hochwertiger muss die Produktion angegangen werden. Für die Frage, was kostet ein Imagefilm, ist das äußerst relevant. Das Paradebeispiel dazu ist der Werbefilm. Bei TV-Spots werden für 20 Sekunden oftmals sechsstellige Beträge in die Filme investiert. Jede Einstellung muss sitzen, die Message einschlagen wie der Blitz, die Inszenierung des Produkts darf keine Fragen offen lassen. Schließlich geht es um Image, Sympathie, Bekanntheit und nicht zuletzt: um Abverkauf.

Im Einsatzzweck gleichen sich Autos und Filme mehr als man auf den ersten Blick glauben mag. Film und Auto sind Transportmittel. Autos transportieren Menschen. Filme und Videos transportieren Informationen und Emotionen für Menschen.

Beide Male geht es auch um Transportsicherheit, also um die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Ziel zu welchen Kosten erreicht werden kann. Bei Autos hilft dabei seit jeher ein starker Motor und die Ingenieurskunst, heute meist in Kombination mit computergestützten Sicherheitsassistenten. Beim Film dagegen helfen Erfahrung und Talent. Und das Wissen, dass es nicht ohne Grund über vierzig hochspezialisierte Berufe in der Bewegtbildproduktion gibt (vom Dialog-Autor bis zum Beleuchter, von der Maske bis zum Focus-Puller). Würden Sie sich in ein Auto setzen, dass eine einzige Person von A-Z alleine gebaut hat um damit ein Autorennen zu gewinnen? Auf das filmische Handwerk übertragen lautet dieselbe Frage: Würden Sie einem einzigen Videojournalisten die Uebersetzung ihrer Markenwerte in Bewegtbild für einen Imagefilm anvertrauen?

Genre

Die Vielfalt der Definitionen von Genre (siehe dazu Filmarten definieren) beim Imagefilm produzieren ist beinahe so vielfältig wie diejenigen zur Unterscheidung von Filmen zu Video (Artikel Was ist ein Video?). Definiert man Genre nicht wie im Spielfilm als Western, Abenteuerfilm oder romantische Komödie sondern als Gruppe gleichartiger Kommunikationsaufgaben (Imagefilm, Produktfilm, Rekrutierungsvideo, etc.) so kommt dem Genre zur Preisbestimmung der Charakter eines Benchmarking zu. Schließlich bewegt sich die geplante Kommunikationsmaßnahme nicht in einem Vakuum sondern in einem Umfeld aus Mitbewerbern. Darum gilt wie immer bei der Zusammenarbeit für ein Film- oder Videoprojekt: einfach klar kommunizieren.


Was kostet ein Imagefilm: Schema für die Preisbildung beim Auftragsfilm | (c) Condor Films

Was kostet ein Imagefilm: Schema für die Preisbildung beim Auftragsfilm | (c) Condor Films


Um den Kampf um Aufmerksamkeit zu gewinnen kann es sinnvoll sein, statt mit einem Luxuswagen mit einem Motorroller bei einem Luxushotel vorzufahren. Im vollen Bewusstsein des eigenen Tuns gezielt durchgeführt, kann die Verweigerung von, durch Genre scheinbar zwingend vorgegebenen, Gesetzmäßigkeiten äußerst klug sein.

Andersherum, bei unbewusster (oder noch schlimmer bei grober fahrlässiger) Missachtung des Konkurrenzumfelds, kommt es meist knüppeldick. Aus Ignoranz erwächst selten, und wenn meist nur dank Zufall oder Glück, ein Erfolg.

Weitere Treiber für die Herstellungskosten eines Films oder Videos

Weitere preisbestimmende Faktoren für die Kreation und Produktion eines Filmes oder eines Web-Videos sind:

  • das Talent und die Erfahrung der beteiligten kreativen und operativen Schlüsselpersonen,
  • die Anzahl der für die Erledigung der Aufgabenstellung notwendigen Drehtage, und
  • die dazu notwendigen Drehorte,
  • das erforderliche technische Equipment, und
  • der Umfang der späteren digitalen Bild- und Tonbearbeitung,
  • zusammen mit allfällig notwendigen 2-D/3-D-Elementen, sowie
  • der Umfang der erforderlichen Rechte zur Nutzung des Werks (abhängig von Filmart, Nutzung, Distributionskanälen, Territorien und Einsatzdauer).

Was nichts kostet, ist nichts wert. Was viel kostet, vielleicht auch. Walter Ludin

Last but not least nochmals ein kleiner Vergleich: was die Ersatzteile beim Auto sind, ist die Archivierung beim Film. Ohne professionelle Archivierung des Films sind keine Reparaturen, sprich spätere Film-Adaptionen möglich. Weder im Bezug auf die Länge, noch für Sprachversionen, noch für Social Media-Einsätze oder zur Nutzung der Aufnahmen in anderen Filmen oder Videos.

Offertanfrage

Wer sich eine ungefähre Vorstellung gemacht hat, in welchem Ausmaß sein Film oder Video dokumentiert oder inszeniert werden soll, wer weiß welche Emotionen in welchem Umfang er bei seinem Zielpublikum auslösen möchte, ist mit einer sinnvollen Checkliste für ein Briefing problemlos in der Lage, die nächsten Schritte zur Realisation zielgerichtet und effizient anzugehen.

Fazit

Zurück zur Ursprungsfrage: was kostet ein Film oder Video? Natürlich hinkt der in diesem Artikel strapazierte Vergleich zwischen Filme machen und Autos etwas. Er musste hier primär zur Erhöhung des Erinnerungswertes und zu Illustrations- und Vergleichszwecken herhalten. Eines aber ist sicher richtig, und gilt für Autos ebenso wie für Filme und Videos: die Preisspanne und die Vielfalt der Möglichkeiten. Occasionsautos  werden schon unter 5’000.- feilgeboten (manche Angebote erwirbt man dann natürlich auf eigenes Risiko). Gleichzeitig finden sich Angebote für Autos im fünfstelligen und sechsstelligen Bereich.

Eines aber ist zu bedenken: Autos sind fast immer seriell hergestellte Industrieprodukte. Filme haben im Gegensatz dazu inhaltlich immer den Charakter von Prototypen. Filme sind Projekte.

Wer sich im Prototypenbau ebenso wie bei Filmen und Videos auf Feld-Wald-und-Wiesen Angebote einlässt, läuft die Gefahr, dass er am Ende statt eines Autos einen Rasenmäher oder einen Küchenmixer vor die eigene Türe gestellt bekommt. Audiovisuelle Werke erfordern von ihren Machern ohne Ausnahme und ohne Gnade stets drei erfolgsrelevante Schlüsselfertigkeiten: Know-how, Talent und Erfahrung. Und ja. Auch diese drei Elemente können preisbestimmend sein.

Über Kristian Widmer
Kristian Widmer ist Experte für Kommunikation mit Film und Video. Der gelernte Jurist und Absolvent eines MBA der Universität St. Gallen arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren im Mediengeschäft und ist seit 2002 Geschäftsführer der Condor Films AG.

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