Wigald Boning: »Kreativität gedeiht nur bei völliger geistiger Freiheit!«

Interview

Interview und Fragen an Wigald Boning Exklusives Interview mit Wigald Boning, Tausendsassa

Wigald Boning (Bild) ist Musiker, Schriftsteller, Comedian, zuweilen Schauspieler und leidenschaftlicher Einkaufszettel-Sammler. In seiner neuen Serie „Rock The Classic“ greift der bekannte TV-Moderator immer wieder spontan selbst zur Querflöte und improvisiert mit Top Acts wie der Folk-Metal-Band Eluveitie live vor der Kamera. 

Filmpuls wollte von Wirbelwind Wigald im Interview wissen, was er über Kreativität und von Psychopathen denkt.10 Fragen an Wigald Boning:

Interview mit Wigald Boning

Filmpuls: Wigald, wer bist du?

Wigald: Ich bin ein gedrungen gebauter, robuster, kurzsichtiger Allrounder, der von sich gerne behauptet, im vorigen Leben ein Shetland-Pony gewesen zu sein. Gerne wird mir ein gewisser Witz unterstellt, meine Kinder jedoch nennen mich aus Überzeugung „Mr. Humorlos“.

Was ist Kreativität?

Kreativität ist wohl die Fähigkeit, Ideen zu entwickeln und zu verknüpfen, dass Probleme einer neuartigen Lösung zugeführt werden. Ein Kennzeichen des Menschen, aber auch manch anderer Tierart.

Siehst du dich selbst als eine kreative Person?

Durchaus. Ideen-Verknüpfung macht mir Spaß; je weniger das Ideen-Ausgangsmaterial ursprünglich miteinander zu tun hat, desto erfrischender (wobei leider nicht jede Ideen-Verknüpfung Probleme löst, leider).

Kann man Kreativität lernen oder sogar weitergeben?

Bestimmt gibt es gewisse kreativitätsförderliche Anlagen, die vererbt werden können, aber ganz sicher gibt es auch gewisse Muster, Strukturen, Methoden, die erlernt werden können – etwa im kindlichen Spiel, aber auch später.

Die Behauptung, kreative Menschen seien Psychopathen, wird verdächtig oft von weniger kreativen Menschen aufgestellt. Wigald Boning

Kreativität ist angeblich ansteckend. Aber nur wenige wissen, dass sie auch anstrengend ist. Korrekt?

Ich glaube weder, dass Kreativität ansteckend ist (leider), noch empfinde ich sie als Anstrengung (glücklicherweise). Ich habe zweierlei beobachtet: Zum einen wird die Behauptung, kreative Menschen seien Psychopathen, verdächtig oft von weniger kreativen Menschen aufgestellt. Und zum anderen habe ich durchaus Menschen erlebt, die zwar nicht die Kreativität selbst, aber doch die Fähigkeit, ein kreatives Unterfangen zu realisieren, gewissen geistigen Eigentümlichkeiten verdankten, etwa einer milden Form von Autismus (bin leider kein Psychologe oder Neurologe und spreche als Laie).

Was ist deiner Meinung nach der absolute Unterdrücker von Kreativität?

Unfreiheit. Echte Kreativität gedeiht nur bei völliger geistiger Freiheit! Mein Vorbild ist das kindliche Spiel.

Schon mal eine Kreativitätsblockade gehabt?

Eine Kreativitätsblockade äußert sich bei mir im Unwillen, mich mit X zu beschäftigen. Ich gehe dann einmal um den Pudding und wende mich Y zu. Kreativität geht auf das lateinische Wort creare zurück, was so viel bedeutet wie „Etwas neu schöpfen, etwas erzeugen, herstellen“.

Gibt es etwas von dir „Geschöpftes“, auf das du besonders stolz bist?

Stolz ist eine Todsünde. Ich bin eher dankbar, dass ich bisher so ein schönes Leben führen durfte und einen Großteil meiner Zeit spielen darf wie ein Kind. Paradiesisch.

Woher holst du dir deine Ideen?

Ich „hole“ mir gar keine Ideen. Sie entstehen auf eine Weise, auf die ich selber wenig Einfluss habe. Organisierten „Brainstormings“ stehe ich skeptisch gegenüber. Hilfreich ist allerdings, wenn man mit Freunden gemeinsam „spielen“ darf – also bewusst ohne Ziel (wenigstens im eigentlichen Entwicklungsstadium).  Inspiration durch Zoobesuch & Co kann natürlich auch nicht schaden. Ich schätze u.a. Mozart, Picasso und Robert Walser.

Wenn Kreativität ein Musikstück wäre, wie würde es tönen?

Beides wären eklektizistische Collagen. Oder?

Wie empfindest du Rock the Classic in Bezug auf Kreativität?

Herrlich. Ich empfinde es als Privileg, dem Wegfindungsprozess kreativer Menschen beiwohnen zu dürfen. Das Ergebnis war bisher immer unterhaltsam – und der Weg dorthin mitunter noch unterhaltsamer.

Was ist dein nächstes kreatives Projekt?

Seit August 2015 verbringe ich alle meine Nächte an der frischen Luft, und mindestens bis März 2016 werde ich noch weiter so verfahren. Ort, Nacht & Schlaf lassen sich auf diese Weise neu kennenlernen. Hierüber zu schreiben, macht mir Spaß, und im September 2016 erscheint dann das dazugehörige Tagebuch.

Danke Dir, Wigald. Wir freuen uns auf die nächste Staffel von „Rock the Classic“ mit Dir!


Das Interview wurde schriftlich geführt | (c) Foto: SRF Schweizer Radio und Fernsehen | Wigald Boning online: facebook.com/wigald.boning


Die Interviews in Filmpuls dürfen alles, außer langweilen. In der Rubrik Interview kommen Regisseure,  Kreative, Schlüsselpersonen der Filmszene und weitere Exponenten der In- und ausländischen Bewegtbildkommunikation zu Wort. Die bisherigen Artikel porträtieren unter anderem auf Augenhöhe: Adrian Teijiodo (Director of Photography, während dem Interview auf Augenhöhe mit Netflix‘ Narcos), Jürg Ebe (Spielfilm-Regisseur), Patrick Merz (Regie-Spezialist für Laiendarstellern vor der Kamera), Jörg Buckmann (Experte für Frechmut), Kristian Widmer (Produzent), Deborah Neininger und Jan Sulzer: Mit Humor auf Erfolgskurs und Regisseur Markus Welter (u.a. Tatort, Bestatter)

Über Marianne van der Kooi
Marianne van der Kooi ist Production Coordinator und Creative Contributor bei Condor Films und FaroTV.

1 Comments

  1. Einige Menschen glauben Kreativität, lasse sich studieren. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo ICH nicht studieren durfte.., habe trotzdem meinen Weg gefunden, glücklicher Weise. Meinen Beruf könnte ich in Zukunft nicht mehr erlernen, da es Menschen gibt, die der Meinung sind, dies in Zukunft verhindern zu müssen. Picasso hat ja auch nicht studiert, warum werden wir so beschnitten? Lasst uns unsere künstlerische, kreative Freiheit!

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