YouTube Kanäle für virtuelle Realität (VR): Hier wartet die Zukunft

Drei Geheimtipps für VR-Aficionados

YouTube Kanäle für Virtuelle Realität: Hier wartet die Zukunft Die besten VR-Filme auf YouTube

Während Facebook diese Tage mit einer kabellosen Brille dem Geschäft mit der virtuellen Realität einmal mehr zum Durchbruch verhelfen will, haben sich still und leise eine Reihe YouTube Kanäle etabliert, die dem geneigten Betrachter heute schon zeigen, wohin die Reise mit VR führen mag.

Die Angebotstiefe ist auf YouTube ist bekanntlich endlos. Das gilt auch für Kanäle mit Content zum Thema Virtuelle Realität. FILMPULS beschränkt sich darum in diesem Artikel auf drei VR-Kanäle, die zur Zeit eher noch als Geheimtipp für Insider gelten, für Filmemacher (und Auftraggeber von 360-Filmen) jedoch konstant an Wichtigkeit gewinnen.

Die wichtigsten YouTube Kanäle für 360 VR

Obwohl Facebook durch Innovationen (kabellose VR-Brille für Einsteiger) und Übernahmen (Oculus VR) in der Öffentlichkeit die Entwicklung zu dominieren scheint, bewegt sich auch Google höchst aktiv in diesem Segment.  Das zeigt sich auch anhand der Plattformen für VR-Content, die Google aktuell zum Platzhirsch unter den Content-Aggregatoren machen.

Kanal-Empfehlung 1: Virtuelle Realität

Der offizielle YouTube Kanal von Google für VR trägt (logischerweise? seltsamerweise?) den gleichen Namen wie sein Inhalt. Google veröffentlicht hier seine eigenen, neuesten und besten VR-Videos. Ob Abenteuer, Konzerte oder Reisen: der Kanal darf sich mit mehr als 2.3 Millionen Abonnenten sehen lassen.

YouTube-Virtuelle-Realität

Kanal-Tipp 1: Virtuelle Realität

Google selbst empfiehlt für das ideale Erlebnis beim Ansehen der VR-Videos interessanterweise entweder eine Lösung, über die fast ausnahmslos alle Inhaber von Smartphones verfügen dürften:  Kopfhörer und Google Cardboards. Zusammen mit dem Smartphone reicht das bereits für ein 360-Erlebnis. Wer es perfekter mag, nutzt Google Daydream View, das von Google entwickelte VR Headset (ein Konkurrenzprodukt zur VR-Brille Oculus Rift aus der Facebook Familie).

Kanal Empfehlung 2: Daydream District

Daydream District (deutsch = Wachtraum, Tagtraum) ist der starke Bruder des vorgehend erwähnten Kanals. Daydream versteht sich innerhalb der YouTube Kanäle als High-End Plattform auf YouTube für VR-Inhalte. Statt auf Brillen aus Karton, die aus dem Smartphone ein VR-Kino machen sollen, will Google Daydream auf der nächsten Entwicklungsstufe ansetzen: der eigenen VR-Brille Daydream, die hochauflösende Inhalte zum Erlebnis machen soll.

YouTube-Daydream-Discrict

Kanal-Tipp 2: Daydream Discrict

Die Absicht dahinter: Daydream soll der Standard auf einer neuen Entwicklungsstufe werden. Plattform und Brille schaffen dazu Mindestanforderungen. Auch wenn die Brille ihre Träger (wie alle VR-Brillen) in gesichtslose Nerds verwandelt: sie ist zumindest um knapp einen Drittel leichter als vergleichbare Modelle von Mitbewerbern und lässt sich komplett kabellos mit dem Smartphone verbinden – eine Neuerung die der Fressfeind Facebook ebenso vor Wochenfrist ebenso angekündigt hat. Ebenso soll die sog. Motion Sickness (mehr dazu hier) mit einer Bewegungsverzögerung von unter 20 Millisekunden endlich der Vergangenheit angehören.

Google denkt mit Daydream bereits kräftig in eine vernetzte Zukunft. Im Play Store soll eine Sektion nur für Google VR den Erwerb von Content nochmals vereinfachen. VR-User können damit ohne die virtuelle Welt zu verlassen neue Inhalte (Apps und Spiele) direkt herunterladen. Dazu gehören nicht nur YouTube Videos, sondern auch die Film-App von Google, Games, News (Frontrunner ist hier die New York Times) und Google Streetview.

Kanal-Empfehlung 3: Google Spotlight Stories

Für den Storyteller ist Spotlight Stories der Platzhirsch der YouTube Kanäle und damit ein Must-see. Hier findet sich nicht nur der für einen Oscar-nominierte Kurzfilm Pearl sondern auch weitere Perlen der virtuellen Animation. Der Kanal hat zwar „erst“ rund 46’000 Abonnenten, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Sobald Google Spotlight Stories nicht mehr nur als Geheimtipp gilt, dürften sich diese Zahlen rasant ändern.

YouTube-Google-Spotlight

Kanal-Tipp 3: Google Spotlight

Google Spotlight Stories ist für Google nach eigener Darstellung eine Content-Plattform, auf sich der Storytelling und VR finden sollen. Schwerpunkt ist dabei, erneut, die Nutzung via Smartphone, das mit seinen bereits werkseitig eingebauten Sensoren alle Voraussetzungen mitbringt, ein Fenster zur Welt zu werden.

Viele der Videofilme auf Google Spotlight zeugen von Storytelling in höchster Perfektion. Je nach Wahl des Blickwinkels kann der User in den Videos innerhalb der VR-Videos auf dieser Plattform innerhalb der Szenen weitere liebevolle angelegte Mini-Geschichten entdecken – Grund genug, sich die Videos mehrfach anzusehen.

Aber damit nicht genug. Die ebenfalls auf dieser Plattform vertretenen Making-Ofs der VR-Filme erlauben zusätzlich einen Blick hinter die Kulissen und ermöglichen exklusive Learnings für Video- und Filmemacher im Umgang mit 360-Video.

Was bringt die Zukunft?

Zuerst als Wunderwaffe angepriesen, haben VR-Filme in letzter Zeit schwere Schläge einstecken müssen. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass erstmals in der Geschichte ein VR-Film als bester animierter Kurzfilm für einen Oscar nominiert wurde (diesen aber nicht bekam).

Doch der Reihe nach: Facebook setzte 2014 mit der mit 2 Milliarden USD exorbitant teurer Übernahme der jungen VR-Schmiede Oculus erstmals ein kräftiges Signal. Um dem Publikum die virtuelle Welt schmackhaft zu machen, so erkannte Oculus, muss man diese zuerst erleben.

So wurden exklusive Demo-Shops eröffnet, in denen der User kostenlos virtuelle Welten testen konnte. Gleichzeitig wurden von den legendären Pixar Studios (gegründet von Steve Jobs, heute im Besitz von Disney) hochkarätige Experten wie Sashka Unseld für ein eigenes Content Studio abgeworben, das unter dem Namen Oculus Story Studio hervorragende Animationsfilme wie „Lost“ und „Henry der Igel“ produzierte und in der Entwicklung von Software für virtuell animierte Filme wichtige Pionierarbeit leistete.

User und Konsumenten ließen sich nicht begeistern. Die Mitarbeitenden in den Showrooms von Oculus Rift hatten, so wird es im Web kolportiert, nicht mit einem Publikumsansturm, sondern mit Langeweile zu kämpfen. Die Showrooms wurden geschlossen.

Dasselbe Schicksal blühte nun vor kurzem auch dem Oculus Story Studio. Jason Rubin, der zuständige Manager von Facebook, begründete die Schließung in einem Blog damit, dass es mittlerweile im Markt mehr Anbieter und Entwickler von virtuellem Content gäbe und man lieber die entstehende VR-Branche unterstütze als selbst Inhalte zu entwickeln. Nahezu gleichzeitig hat Facebook öffentlich angekündigt, eigenen (konventionellen) Bewegbild-Content für Facebook entwickeln zu wollen. Diese Verschiebung der Investitionen ist kein gutes Omen für VR.

Umgekehrt aber scheint sich Google im Bereich VR verstärkt darauf zu besinnen, was die Hollywood Studios vor der Erfindung von Computergames im Entertainment zu einer Weltmacht werden liess: Content is King. Distribution is Queen.

Was bleibt?

Vererbt haben die Macher der Filme von Oculus Story Studio der Nachwelt eine Erkenntnis, das der virtuelle Kurzfilm und die Animation wie geschaffen füreinander sind.

Angesichts des intensiven Erlebnis von 360-Filmen, so das Learning, brauchen erfolgreiche VR-Filme und das perfekte VR-Zuschauererlebnis nebst meisterhaftem Storytelling eine einzige, wichtige Rahmenbedingung: eine filmische Welt, die vom Filmemacher komplett kontrolliert und vom User selektiv (mehrfach, wiederholt) betrachtet werden kann.

Der animierte VR-Film, darin herrscht heute Einigkeit, erfüllt diese Anforderung perfekt. Die drei aufgeführten YouTube Kanäle, und nicht nur diese, belegen es unmissverständlich.


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Screenshots: YouTube | © Artikel Filmpuls

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